Hallo Krankenhaus. Mit dir hatte ich nicht gerechnet.

1. Nacht, von keine Ahnung wie vielen, im Krankenhaus – Check!

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Hätte mir mal vor zehn Jahren wer gesagt, dass es mich eines Tages in die Notaufnahme bringt, weil mein Magen-Darm-Trakt mich um den Verstand bringt, hätte ich wohl herzlich gelacht. Ich weiß nicht, wie oft ich in den Jahren bei Ärzten war und gesagt habe, irgendwas stimmt nicht mit meinem Körper. Gestern hat sich dann gerecht, dass meine Psyche mich nicht so wahnsinnig Selbstbewusstsein lässt und ich oft genug nicht den Mund aufbekomme um meinen Willen durchzusetzen.

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Es musste also erst zu den Schmerzen des Todes kommen. Nachdem ich gestern drei Schmerzattacken hatte, die mich jeweils von den Füßen gehauen haben, hab ich erst verzweifelt meine beste Freundin angerufen und gefragt, ob sie mich zum Arzt fährt. Diese musste mich auf den Boden der Tatsachen zurückbringen, dass sie mich nicht von meiner Wohnung zum Auto bekommt, wenn ich kaum laufen kann. Also den Bruder angerufen, der irgendwann zurück rief und meinte, er steht im Stau, ich soll es mal bei unseren Eltern versuchen. Am Ende hat meine Mutter mich in die NA gefahren, natürlich aber nicht, ohne mir noch blöde Sprüche zu drücken.

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Da saß ich dann sechs Stunden alleine fest. Mutti durfte nicht mal mit in die Na, wo ich allerdings auch sehr froh drum war, weil ich sie so nicht rausschmeißen oder ertragen musste. Um 22h bin ich dann endlich im Zimmer angekommen. Man hat mir schon gesagt, dass ich vor Montag keine Untersuchungen bekomme, aber da ich immer noch leichte Schmerzen hatte und nicht gewusst hätte, wie ich weitere Schmerzattacken zuhause überleben soll, hat der Verstand gesiegt hier zu bleiben.

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Die erste Nacht war die Hölle, länger als zwanzig Minuten am Stück hab ich nicht gepennt. Der Zugang tat ständig weh und war nur im rechten Winkel erträglich, wenn der Ellbogen außen und nicht innenseitig auflag.

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Schmerzmittel dulde ich hiermit offiziell, ohne überlebe ich das nicht nochmal… aber Schlafmittel will ich gar nicht erst anfangen. War ja froh, zuhause einen einigermaßen gesunden Schlafrhythmus gefunden zu haben. Das zerstör ich mir jetzt nicht mit Medikamenten.

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Wen mal interessiert, wie das mit Besuch in Corona-Zeiten funktioniert: Quasi gar nicht. Ich muss mal herausfinden, ob man das ein wenig umgehen kann, weil ohne jeden sozialen Kontakt geh ich kaputt.

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Ich hab mich vor Wochen eingeigelt, weil meine Psyche mal wieder ein Tief hatte, aber dank bester Freundin hab ich das hinter mir gelassen. Jetzt wieder isoliert zu leben, muss echt nicht sein. -.-

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Krankenhausaufenthalt in Zeiten von Covid-19 kann ich hiermit offiziell nicht empfehlen! 😉

Nach vier Wochen zum ersten Mal wieder einkaufen…

Ich war nach vier Wochen wieder im Supermarkt einkaufen. Klingt erstmal nicht spannend, ist mit einer Essstörung aber ein sehhhhhrr großer Akt und kommt einem Blockbuster schon sehr nahe.

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Wer mir schon vor der Krise auf Instagram gefolgt ist, hatte das hin und wieder mitbekommen, was einkaufen für ein Akt für mich ist. Sich selbst zu ermutigen, sich den Stress anzutun, war mit einer Essstörung noch nie leicht. Vor sechs Jahren, als ich in Berlin gelebt habe, hab ich irgendwann Panikattacken beim einkaufen bekommen. Die Attacken haben sich im Supermarkt aufgebaut und sobald ich die Einkäufe im Kühlschrank hatte, hab ich sie dann in meinem Zimmer voll ausgelebt. Meist in Begleitung von Svv.

Die letzten Jahre hat sich dies stetig gebessert und es wurde einfacher und weniger panisch. Entspannt war es trotzdem nie und immer mit einem inneren Kampf verbunden.

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Seit Corona los brach, kam das Drama. Zu Beginn, vor dem Lockdown, konnt ich noch einkaufen gehen. Mit viel Angst und einer Menge Stress, aber es ging. Ich hatte vorher schon öfter mal bei Real bestellt, aber daran war mit Beginn der Krise kaum noch zu denken. Als der Lockdown kam, hab ich quasi nur noch von örtlichen Lieferdiensten gelebt. Einkaufen wurde unmöglich, Lebensmittellieferungen waren noch viel unmöglicher und ich saß nur noch panisch in der Wohnung bei dem Gedanken, einkaufen zu müssen.

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Mit der Maskenpflicht wurde es dann nochmal schlimmer, aber als kurz drauf wieder Lockerungen kamen, was das rausgehen betraf, entspannte sich die Situation bei den Lebensmittellieferanten. Ich kann seitdem, nachts um 0.00 Uhr, acht Tage im Voraus Lebensmittel bestellen und so Schritt für Schritt meine Vorräte und den Kühlschrank wieder auffüllen. Seitdem bestell ich regelmäßig online Lebensmittel, damit ich den ganzen Stress entkommen und trotzdem wieder Spaß am kochen gewinnen kann. Den hab ich im Laufe der Zeit nämlich komplett verloren, mittlerweile kommt er Schritt für Schritt zurück. 🙂

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Vorgestern bin ich zum ersten Mal nach vier Wochen wieder im Supermarkt gewesen, aber mit meiner besten Freundin und nur, um zwei, drei Kleinigkeiten zu holen. Heute musste ich zum Wochenmarkt. Unser Vater hat Dienstag Geburtstag und da er aktuell so auf Honig abfährt, gibt es u.a. Honig vom örtlichen Imker. Den musste ich heute holen und weil ich es Quatsch fand nur dafür runter zugehen, wollt ich meinen Pfandberg von 7.47€ (auf den einzelnen Cent lege ich mich nicht fest, auf den Rest schon. ;)) mitnehmen und noch kurz bei Rewe los werden. Es kam wieder alles anders als gedacht.

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Bei Rewe gilt noch die Pflicht, dass pro Person ein Wagen oder ein Korb mitgenommen werden muss, der Laden ist halt auch super klein. Also musste ich erstmal in der Tasche nach der Geldbörse kramen und da Pfandtasche und Korb keine praktische Lösung waren, gab es einen Einkaufswagen. Nun kommt heute Abend wieder Real und liefert Lebensmittel, also ist es eigentlich Quatsch heute vorher was einzukaufen, allerdings ist es in meinem Kopf keine Option gewesen, mit dem Einkaufswagen reinzugehen, nur Pfand wegzubringen und mit leerem Wagen an die Kasse zu müssen. Da kommt man sich ja noch bescheuerter vor, als ohnehin schon. Also hab ich zwei, drei Kleinigkeiten gekauft, vor allem Getränke, weil ich nicht wieder zwei Kästen bestellen wollte, sondern nur ein paar Flaschen hier haben wollte.

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Mit dem erfolgreichen Pfand wegbringen und einkaufen, bin ich dann zum Wochenmarkt zurück gestiefelt und hab mir den Honig geholt. Zwei 250gr Gläser für 6.20€, einer war im Angebot, find ich gar nicht mal so viel. Hatte mehr erwartet. Danach ging es zurück nach Hause.

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Jetzt liege ich auf der Couch, tue heute nichts, außer um 17h den Handwerker samt Vermieterin reinlassen und zwischen 19 und 22h dann meine Einkäufe entgegen zu nehmen. Und verdammt stolz auf mich zu sein, dass ich heute nach vier Wochen zum ersten Mal wieder alleine im Supermarkt war! 🙂

Von kuriosen Träumen und einem Musiklehrer, der zehn Jahre später noch Eindruck hinterlassen hat.

Manchmal hat man komische Träume und heute war einer dieser Tage, wo ich wach geworden bin und mich direkt fragte: Wie kommt man auf solch einen Mist? Aber recht schnell wurde mir klar, wie man darauf kommt. Ich versuche euch eine Kurzfassung des Traum zugeben:


Schulszenario, allerdings keine meiner ehem. Schulen, sondern am Ende das Filmset von „Schloss Einstein“, bzw „In aller Freundschaft – Die Jungen Ärzte“. Fragt mich nicht, wieso ausgerechnet das Setting in meinem Kopf war.. Vielleicht, weil ich seit Tagen denke, dass ich IAF-DJÄ noch aufholen muss. 😀


Jedenfalls bin ich in voller Panik aus einem Klassenzimmer gestürmt. Wovor ich Panik hatte, weiß ich nicht. Ein Haufen Lehrer und Sozialpädagogen ist hinterher gestürmt und hat mich durch das Gebäude gejagt. Immer wieder wurde ich in Ecken getrieben und man wollte mich festhalten um mich zu beruhigen, was ich aber extremst abgelehnt habe und wodurch ich regelrecht zur Furie wurde, damit mich niemand anpackt. Ich hab geschrien, geweint und gleichzeitig geatmet, als würde ich gleich vor lauter Hyperventilation tot umfallen. Ich hab um mich getreten und geschlagen, damit mir niemand zu nahe kommt.

Plötzlich waren alle weg, außer mein Musiklehrer von der Gesamtschule. Dieser hat ganz ruhig auf mich eingeredet und mich mit viel Fingerspitzengefühl zur Ruhe gebracht und mir das Gefühl gegeben, sicher zu sein. Dass es okay ist, eine Panikattacke zu haben, ich aber eigentlich sicher bin und mir nichts passiert. Ich stand vollkommen aufgelöst und heulend vor ihm, konnte mich aber binnen von Sekunden beruhigen. Begleitet von seinen beruhigenden Worten, wurde ich wach.

Irgendwie fühlte es sich als erstes wie ein Alptraum an, Sekunden später aber gar nicht mehr. Das erste Mal in meinem Leben, hat mich in einem schlimmen Traum niemand umgebracht, oder die Absicht gehabt und das erste Mal in meinem Leben, hat jemand eine richtige, ausgeprägte Panikattacke von mir miterlebt und mich trotzdem beruhigen können.

Meine größte Angst: Irgendwann eine Panikattacke des vollen Ausmaßes in Gegenwart anderer zu haben. Von dem Part, dass mich andere dann versuchen zu beruhigen, will ich mal ganz absehen. Die Vorstellung in Panik zu verfallen und von anderen beobachtet zu werden, ist ein realer Alptraum.

Es ist komisch, dass in meinem Traum genau das passiert und mich mein Musiklehrer tatsächlich binnen von Sekunden zur Ruhe bringen konnte. Für die Realität vollkommen unvorstellbar, dass dies so laufen könnte, aber im Traum fühlte es sich tatsächlich irgendwie gut an. Deswegen empfand ich es auch ganz schnell nicht mehr als Alptraum, sondern einfach als intensives Träumen. Egal wie groß die Angst vor einer Panikattacke in Gegenwart anderer Menschen ist, hoffe ich, dass der Mensch, der bei mir wäre, mich genauso zur Ruhe bringen könnte.

Der ein oder andere fragt sich nun bestimmt, wieso ich eigentlich nach 10 Jahren, die ich nicht mehr regulär zur Schule gegangen bin, wenn wir die drei? Monate Abendschule vor sechs Jahren mal außer Acht lassen, von solch einem Szenario träume. Zumal ich mich im Traum nicht als Schülerin gesehen habe, sondern einfach als die aktuelle Marie.
Tja… Ich kann die Lösung tatsächlich nennen, wofür ich aber etwas ausholen muss.

Ich habe letztes Jahr meine Patientenakten aus den beiden Kliniken angefordert, in denen ich mal stationär war. Die große von beiden, ist meine Akte aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie, in der ich vor 10 Jahren, für neun Wochen war. Die Kurzfassungen dazu gibt es als eigene Kategorie im Blog. 😉


Ich hab sie letztes Jahr nach Erhalt schon einmal gelesen, gefühlt aber nichts behalten. Irgendwie ist nichts davon hängen geblieben. Vor ein paar Tagen habe ich sie wieder herausgeholt und nochmal Auszüge davon studiert, weil ich für den Blog ein paar Infos brauchte. Auch diesmal blieb nichts im Hirn hängen. Nach drei Seiten verschwamm alles zu einem großen Matschebrei in meinem Hirn und einzelne Sachen heraus zu filtern, war nicht mehr möglich. Mich ließ es nicht los, dass ich nicht in der Lage war, auch nur simple Auszüge in meinem Kopf zu behalten. Ich wollte wissen, was ganz genau drin steht. Die Details wahrnehmen und auch erinnern.

Wenn ich eines über mich weiß, dann das, dass ich mir alles tausendfach besser merken kann, wenn ich es selbst aufschreibe. Ich habe also begonnen, meine komplette KJP-Akte abzutippen. Haltet mich für wahnsinnig, diese fette Akte abzutippen und vielleicht bring ich es auch nicht zu Ende, aber es hat irgendwas meditatives am Abend diese Zettel ab zu tippen und gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich mir tatsächlich mehr merken kann.

Eine der letzten Dinge, die ich getippt habe, drehte sich um einen Schulversuch. Schulversuch heißt so viel wie: Patient der stationären KJP, fährt morgens von der Station zur Heimschule und versucht dort am Unterricht teilzunehmen. Am Anfang einen Tag, dann zwei Tage die Woche, bis man es so weit steigern kann, dass der Patient wieder regulär zur Schule gehen kann und ambulant weiterbehandelt werden kann.


Bei dem speziellen Schulversuch war leider alles nicht so einfach. Ich habe nach der dritten Stunde die Flucht ergriffen. Also vielmehr muss ich irgendwie die Station kontaktiert haben und dann frühzeitig zurückgekehrt sein. Ich kann euch nicht mehr sagen, wieso genau es so war. Die Akte sagt, dass ich wohl eigentlich gut drauf war und im Unterricht dann plötzlich daran denken musste, dass zu dieser Zeit im Gespräch mit dem Therapeut und meiner Familie thematisiert wurde, dass ich von der vollstationären Therapie, in die Tagesklinik wechseln sollte und mir dies dann wohl Kummer bereitet hat. Meine persönliche Erinnerung ist gleich null.

Wie ich das gestern Abend getippt habe, kamen mehrere Fragen und Gedanken in mir auf.

  1. Wie krass es ist, wie lange ich schon mit dieser Angststörung kämpfe. Ich habe damals die Schule aus Angst verweigert und konnte dann den Schulversuch nicht zu Ende bringen, weil mich das alles zu viel getriggert hat.
  2. Wie hab ich das damals eigentlich gemacht, dass ich wieder zur Station zurück durfte? Habe ich von meinem Handy aus angerufen und gesagt, ich will zurück? Bin in ins Sekretariat und habe denen gesagt: „Hallo, Ich bin die Marie … und möchte wieder zurück in die Klapse“?
    Habe ich einem Lehrer gesagt, dass ich zurück will und die haben das geklärt? Wie lief das ab? Ich weiß aus der Akte, dass es definitiv ein Telefonat aus der Schule mit der Station gab, weil man wohl noch versucht hat, mich zu beruhigen und zu ermutigen, dass ich den Schulversuch weiter versuche. Aber auch da: Persönliche Erinnerung ist gleich Null.

Es hat mir tatsächlich gestern Abend noch den Kopf gesprengt, weil ich es alles so unerklärlich fand, wie das damals gelaufen sein soll. Ich hab doch nicht einfach zu anderen Leuten gesagt, dass ich zurück in die Klinik will, oder? Die Frage wird mir wahrscheinlich niemals beantwortet.

So wusste ich aber heute morgen beim wach werden, wieso ich das alles geträumt habe. Ich habe das verarbeitet, was mir gestern noch durch den Kopf gegangen ist. Auf eine etwas komische Art und Weise, aber es ist passiert. Soll nochmal jemand sagen, man würde immer nur Sch*** träumen, die vollkommen zusammenhanglos sei. Ich könnte mit der Geschichte das Gegenteil widerlegen.

Aber wisst ihr, was mich bei der ganzen Sache etwas zum lächeln gebracht hat? Ich habe gegen alle anderen Lehrer und Pädagogen gekämpft und konnte niemanden in meiner Nähe ertragen. Nur mein Musiklehrer wurde geduldet. Ich könnte jetzt sagen, dass er halt mein Lieblingslehrer war, aber das würde ihm nicht gerecht werden.

Es gab eigentlich keinen Schüler, der ihn nicht leiden konnte. Zumindest erinnere ich das so. Seine lockere, offene Art war bei jedem willkommen, er wusste aber trotzdem immer genau, wo die Grenzen zu ziehen waren, ohne dass er dabei jemandem unnötig blöd gekommen ist.
Auch war seine Herangehensweisen an den Unterricht mal was anderes. Aktueller und näher am Schüler hätte man nicht sein können.

Ich erinnere mich noch, dass wir im Unterricht das Thema „Suizide“ behandelt haben. Wir haben „The Fray – How to save a life“ angehört und nachgespielt und uns damit beschäftigt, worum es in dem Lied geht. Wir sprachen darüber, wie der Sänger von „The Frey“ davon singt, dass er sich selbst Vorwürfe an dem Suizid eines Freundes macht.

Das war damals genau die Zeit, wo ich mich angefangen hatte, selbst zu verletzen, depressiv war und mich immer mehr zurück gezogen habe. Mich hat das Thema damals extrem interessiert und ich war dankbar, eine Stimme bekommen zu haben, in Form von Musik. Mein Musiklehrer hatte das bemerkt. Gleichzeitig hat es mich mental aber auch extrem gefordert und belastet. Ich musste zwischendurch vor die Tür, weil es mir nicht gut ging und ich das Gefühl hatte, gleich los zu weinen oder alles kurz und klein zu schlagen, weil ich nicht wusste wohin mit mir.

Er hatte mir damals erlaubt mal ein paar Minuten raus zu gehen und kam irgendwann zu mir raus, während die anderen eine Aufgabe bekommen hatte. Er hat kein Gespräch aufgezwungen. Nur gefragt, ob ich okay sei, oder mir das Alles zu viel wird. Ich kam zurecht und brauchte kein Gespräch mit ihm, aber die Art und Weise wie er auftrat, war genug um zu wissen, da ist jemand der mitbekommen hat, wie schlecht es mir eigentlich geht, der sich aber trotzdem nicht dauernd und penetrant aufzwingt.

Wie sehr ich meinen Musiklehrer und seinen Unterricht mochte, konnte irgendwann jeder sehen. Es gibt ein Zeugnis von mir, mit über 400 Fehlstunden. Ich bin irgendwann quasi nie mehr in der Schule gewesen. Hätte man eine Auflistung der Tage, die ich da war und derer, die ich gefehlt habe, hätte jeder, der die Auflistung sehen würde, eine konkrete Frage: „Was war am Dienstag und Donnerstag so besonders?“

Es waren die beiden Tage, an denen ich insgesamt vier Musikstunden hatte. Musik war damals mein Wahlpflichtfach II, so kam ich in der Woche auf vier Musikstunden. Damals konnte ich auch damit leben, dass es die langen Tage bis 15.15, bzw 16.00 Uhr waren und wir an einem der Tage Sport hatten.

Da hab ich ja irgendwann auch nicht mehr mitgemacht, aus Angst mich zu blamieren und mal wieder blöde Kommentare meines Sportlehrers (und Stufenleiters) zu bekommen, wie unsportlich ich sei. Damals war ich übrigens noch gar nicht soooo unsportlich und sogar Sport interessiert, nur eben nicht an Drill-Bundeswehr-Sportunterricht mit „wie lange kannste im Kreis rennen“, „andere mit Bällen abwerfen“, oder „bei den Bundesjugendspielen verka***“. Also saß ich immer mit einem kaputten Fuß, der sich nicht kurieren lässt; meinen Tagen; oder Erkältungen am Rand, oder war gar nicht erst anwesend.

Den Musikunterricht aber, hätte ich niemals geschwänzt, außer es ging gar nicht anders. Meine Noten in Musik waren auch konstant auf 1, egal ob Theorie, Praxis, Tests, Vorträge, oder sonst was. Mein Musiklehrer hat auch viele Jahre später einen gewissen Eindruck hinterlassen. Ich verbinde Schule mit so gut wie nichts gutem… mit Ausnahme meines Musiklehrers, der immer bemüht war, seine Schäfchen beisammen zuhalten und keines zu verlieren.


Er war lange auch der Grund, warum ich Musik studieren und Lehrerin werden wollte. Ich wollte Schülern genauso eine gute Lehrerin sein, wie er uns damals. Tja, kam am Ende aber eben alles anders als gedacht und heutzutage weiß ich nicht mal, wie meinen Schulabschluss jemals nachholen soll, wie die beiden Abendschulversuche und ein Fernstudiumsversuch ja gezeigt haben. Gut, die Fernschule hätte klappen können, aber im Nachhinein bin ich froh, es rechtzeitig gekündigt zu haben, weil ich mir das aktuell in Zeiten von Corona, niemals leisten könnte.

Ich hab vor zwei Jahren eine der Musical-Produktionen besucht, die jährlich an der Schule stattfinden. Mein Musiklehrer und eine Kollegin von ihm haben eine gemeinsame „Musikklasse“, bzw mittlerweile gibt es wohl tatsächlich einen richtigen „Musicalzweig“, den man wählen kann. Mit den Schülern studieren sie jedes Jahr Musicals ein und führen diese über einige Tage auf, aber im großen Aufzug. Nichts kleines, Hinterhofmäßiges, sondern wirklich ordentliche Produktionen.

Leider hatte sich damals nicht die Chance ergeben, mich mit ihm zu unterhalten. Er war zu beschäftigt und ich wollte nicht stören, vor allem aber nicht komisch auffallen, zwischen all den Eltern und ihren Kindern, die dort zur Schule gehen. Schlimm genug, dass ich auf meine ehemalige Klassenlehrerin gestoßen bin. Chance vertan ihm mal wieder Hallo zu sagen und mitzuteilen, was er eigentlich für einen positiven Eindruck hinterlassen hatte. Wer weiß, vielleicht bringt der Zufall irgendwann nochmal die zweite Chance.

Ich würde mich freuen, ihm das nochmal mitteilen zu können, dass ich immer großen Respekt vor seiner Arbeit hatte und auch heute noch bewundere, wie man in unserem Schulsystem so coolen Unterricht machen kann und den Respekt seiner Schüler, aber auch den Respekt gegenüber den Schülern, nie verliert. Hab ich in meinem bisherigen Job selten gesehen… und ich habe viiiiiiiiiele Schulen und Lehrer gesehen, die diese Balance über lange Zeit nicht aufrecht erhalten konnten.

Ich ziehe meinen Hut, Mister Little.

Hallo Zwerg, die Tante aus der Vergangenheit hier

Hallo Zwerg,

Wir haben heute den 27.05.2020, sprich es sind noch etwa drei Monate bis Du das Licht der Welt entdecken solltest.

Du weißt gar nicht, wie sehr ich mich mittlerweile auf Dich freue und wie groß aber auch die Angst ist, dass dir etwas passieren könnte. Mein Bruder hat gestern irgendwie komisch reagiert, als ich über ein sechs Monate altes Baby sprach, das neben uns Terz machte, während wir ein Sofa abgebaut haben. Meine Alarmglocken gingen direkt an und die Angst war da, dass auch dir etwas passiert ist. Ende letzten Jahres haben deine Eltern sich schon mal auf ein Kind gefreut und wir waren schon mal alle ganz gespannt wie das sein würde, wenn da so ein Zwerg in die Familie kommt. Nur wenige Wochen nachdem wir erfahren haben, dass ein Zwerg unterwegs ist, kam der Schock, dass der/die Zwerg/in nicht stark genug war. Wenige Wochen alt, mussten deine Eltern den Gedanken an einen eigenen Zwerg gehen lassen. Du weißt gar nicht, wie traurig wir alle waren und ich glaube, meine Familie hat wieder den komplett verkehrten Weg gewählt, wie so oft schon im Leben. Es wurde einmal drüber gesprochen und seitdem ist dein Geschwisterchen nie wieder Gesprächsthema gewesen, wenn wir davon absehen, dass die Schwangerschaft mit dir immer mit Angst behaftet war und die ersten 12 Wochen ein reines Bangen waren.

Ich als Tante, trauere immer noch um dein Geschwisterchen. Ich wäre diesen Monat zum ersten Mal Tante geworden. Mir kullert manchmal eine Träne hinunter, wenn ich daran denken muss, was passiert ist, aber erzählen kann ich es in der Familie nicht. Deine Eltern reden nicht drüber, deine Großeltern auch nicht, wieso sollte ich dann die Wunden aufreißen?

Die ersten 12 Wochen mit dir waren ein ständiges Bangen. Jeder Tag, an dem man nichts über dich hörte, war eigentlich ein guter, weil so klar war, dass Du noch im Bauch deiner Mama bist und dich weiter dort breit machst. Mittlerweile seid ihr aus den kritischsten Phasen raus und die Vorfreude auf dich steigt bei allen stetig. Den Gedanken, dass mit dir irgendwas nicht okay sein könnte, streichen wir langsam immer mehr aus unseren Köpfen. Halte durch! Es sind nur noch drei Monate bis Du dich auf den Weg machen darfst. 😉

Ich hab schon ein Willkommensgeschenk für dich. Als erstes ist mir ein Strampler (oder nennt man es Body? Wo war da gleich der Unterschied?) mit einem Aufdruck begegnet, der perfekt zu deiner Tante passt und von Anfang an klar macht, dass Du mein Neffe bist.
“Eat. Sleep. Circus. Repeat.”
Bevor Du krabbeln oder reden kannst, wirst Du schon Zirkusdinge lernen, so viel kann ich dir versichern. Und wenn ich mich als Clownin oder Zaubererin für dich zum Affen machen muss.

Irgendwie hatte ich aber das Gefühl, es fehlt was bei dem Geschenk und eines Tages entdeckte ich, was fehlte. Dein Vater und ich hatten als wir noch klein waren, jeweils einen Dalmatiner-Stoffhund. Ich einen, der saß und mein Bruder einen, der liegt. Ich weiß, dass wir beide diese Dalmatiner sehr lange besessen haben, ich habe meinen sogar heute noch in der Vitrine stehen. Was mit dem deines Vaters passiert ist, weiß ich gar nicht so genau. Ich hab dann aber mal im Internet geforscht und den passenden kleinen Dalmatiner für dich gefunden. Es ist ein sitzender Welpe. Er sieht genau aus, wie unsere Stoffhunde. Ich bin mir sicher, dein Vater wird das Geschenk mögen und ich hoffe sehr, dass Du genauso an dem Hund hängen wirst, wie wir damals an unseren hingen.

Ich bin gespannt, was für ein Zwerg du mal wirst. Also, dass Du ein Zwerg und keine Zwergin wirst, sei wohl schon mehr als klar, sagte deine Mama. Ich bin nicht wirklich gespannt, wie du aussehen wirst. Da wird schon was schönes bei herum kommen, da bin ich mir sicher. Das sind alles zweitrangige Dinge. Ich bin gespannt, wie dein Charakter sein wird. Der Mix aus deiner Mutter und deinem Vater könnte sehr interessant werden. Ein wenig hoffe ich ja, dass Du das Selbstbewusstsein deines Papas bekommst und die offenen Arme deiner Mama. Dann wäre schon viel getan für einen perfekten Zwergen-Charakter.

Ich frage mich, wie das mit dir sein wird, wenn Du erstmal einen eigenen Kopf entwickelst und irgendwann in die Pubertät kommst. Wie Du das erleben und wie Du damit klar kommen wirst. Für deine Tante fing in der Pubertät ein steiniger Lebensweg an. Ich glaube fest, dass ich dir das irgendwann erzählen werde, wenn du alt genug bist, zu verstehen warum deine Tante so ist, wie sie ist.
Ich hoffe so sehr, dass Du in diesem Alter nicht schweigst, wie ich es damals getan habe, sondern Du zu deinen Eltern, Großeltern oder mir kommst, wenn Du Probleme hast und Hilfe brauchst. Ich hoffe, dass Du sagst, wenn es dir nicht gut geht und du mit irgendwas überfordert bist. Eigentlich hoffe ich aber viel mehr, dass wir dir vorher eine gesunde Portion Selbstbewusstsein, Selbstliebe und Respekt für andere mit auf den Weg geben konnten, so dass Du gar nicht erst in solche Schwierigkeiten gerätst, wie ich es damals bin.

Ich wünsche dir so sehr, dass Du niemals so tief fällst und so viele Hürden überwinden musst, wie ich es tun musste. Dass deine größten Sorgen die erste Liebe und der folgende Liebeskummer sein werden. Vielleicht auch mal schlechte Noten in der Schule oder den Ärger, den Du mit deinen Eltern irgendwann mal haben wirst. Dass Du mit 17 entscheiden sollst, was Du beruflich eigentlich machen willst und dich fragst, wie man mit 17 Jahren Entscheidungen für das restliche Leben treffen soll.
Ich hoffe, dass deine größte Sorge vielleicht irgendwann sein wird, dass Du probiert hast wie Kippen schmecken und nun den Zigarettenduft verheimlichen musst. Oder du nachts angetrunken nicht mehr weißt, wie Du nach Hause kommen sollst, nachdem du das erste mal Alkohol probiert hast.
Und ich sage dir jetzt schon: Ruf an, wenn Du irgendwo strandest. Ich hol dich dann ab und nehme dich im Zweifel mit zu mir nach Hause, damit Du hier deinen Rausch ausschlafen kannst, ohne dass es am nächsten Morgen direkt Stress mit deinen Eltern gibt. Den musst Du dann erst ertragen, wenn der Kopf nicht mehr brummt und der Magen nicht mehr flau ist.
Noch ein kleiner Tipp: Ich weiß noch, wie dein Vater damals versucht hat Kippenschachteln in seinem Zimmer zu verstecken und ich weiß auch noch, wie er das erste Mal zuhause ausgenüchtert hat und sich die Seele aus dem Leib gekotzt hat. Der war auch nicht immer besser.

Ich hoffe, dass ich für dich die Tante sein kann, mit der Du über alles reden kannst. Vom Liebeskummer, über den ersten Alkoholkonsum, zerronnene Freundschaften, nervige Lehrer, aber auch über wirklich ernste Probleme. Wenn dir irgendwann, aus welchen Gründen auch immer, der Kopf platzt und du nicht mehr weißt, wohin mit den ganzen Gedanken in deinem Kopf. Ich hoffe, dass Du redest und nicht schweigst. Dass Du um Hilfe fragen kannst und dich nicht schämst, auch mal “schwach zu sein”.

Ich wünsche mir nichts mehr in dieser Welt, als dass Du wohlbehütet, weltoffen und glücklich groß werden darfst und dich nichts in dieser Welt klein bekommt.

Ich hab’ dich jetzt schien sehr lieb, Zwerg. Deine Tante, die sich jeden Tag mehr auf dich freut!

Gedanken zum gestrigen Tag und dem Joris-Autokonzert

Gedanken zum gestrigen Tag und dem Joris-Autokonzert

Ich muss sagen, ich konnt mir nicht vorstellen, dass dieses Konzert wirklich richtig gut werden könnte. Alleine, isoliert in einem Auto sitzend, ein Konzert über‘s Radio zu hören, war nichts, was ich mir als wirklich richtig gutes Konzert vorstellen konnte. Tja, so täuscht man sich.

Das Feeling vor der Bühne war natürlich nicht das Gleiche wie bei „normalen“ Konzerten, aber trotzdem super. Man stand mit „seinen Leuten“ zusammen, Auto neben Auto und konnt seine eigene Party feiern. Der Sound hat auch nicht zu wünschen übrig gelassen, sondern war top. Die Stunden nach dem Konzert waren auch noch total schön, weil man mal wieder eine vertraute Truppe um sich hatte und sich echt willkommen gefühlt hat. 

Es war die Wiedergutmachung des Tages. 

Ich bin um 7.00Uhr wach geworden und war sogar ausgeschlafen. Aktuell steh ich nie vor 10 auf, im Gegenteil ich schlaf eher mit Absicht nochmal eine Runde, weil ich eh den ganzen Tag zuhause sitze und nichts tue. Wenn man dann noch früher aufsteht, wird das Nichts-tun ja auch nur unnötig Länger. 10.00Uhr Aufstehen und 1.00-2.00Uhr wieder schlafen gehen, ist eigentlich ein guter Rhythmus. Dazwischen passiert viel nichts.

Gestern kam es zustande, dass ich mir ein Sofa von Ebay-Kleinanzeigen abholen konnte. Ich hätte da schon am liebsten gekotzt. Mein Bruder war so nett zu helfen und ist mit mir und seinem Auto zu der Adresse gefahren. Wir waren etwas früher und die eigentliche Verkäuferin war nicht da, aber die Mutter, die von nichts wusste. Nachdem ich ihr die Anzeige und den Nachrichtenverlauf gezeigt habe, hat sie uns machen lassen. Das Sofa war noch komplett vollgestellt und nicht mal abgesaugt. Wir haben es dann in alle Einzelteile zerlegt, weil der Hauseingang so eng war, dass wir sonst nicht durch gekommen wären. Wir sind 5 Minuten nach der eigentlich verabredeten Zeit, wieder weg gefahren. Von der Kleinanzeigenanbieterin keine Spur. 

Vor einigen Monaten konnte ich noch ein paar Kilometer von links nach rechts laufen, auf‘s Zeltdach klettern, Lkws alleine ein und ausräumen, etc… Das Sofa gestern aus der ersten Etage Altbau runtertragen und in die dritte Etage Altbau wieder hoch, hat mich echt umgehauen. Als wir alles oben hatten, hat mein Bruder kurz geschnauft, mir ist mein Kreislauf weg gesackt. Von den Beinen, die so gezittert haben, dass ich nicht mehr gerade stehen konnte, abgesehen. Den Muskelkater, den ich heute in den Waden und Armen habe, brauche ich wahrscheinlich nicht näher beschreiben.

Als das Sofa aufgebaut in meiner Küche stand, mein Bruder und ich wieder Autos getauscht hatten und ich endlich wieder zuhause war, war ich platt. Ich hab noch eine Waschmaschine angestellt, weil ich die Sofabezüge direkt waschen wollte. Eigentlich wollte ich noch duschen, weil ich so verschwitzt war, aber dafür hatte die Zeit nicht gereicht. Auch die verschwitzen Haare konnte ich nicht mehr waschen. Vom Essen mal ganz abgesehen, dafür war erst Recht keine Zeit mehr. Ich lag 10 Minuten auf dem neuen Sofa, als ich mich wieder aufraffen musste, um pünktlich los zu kommen. Glaubt mir, am liebsten wäre ich nach dem Stress zuhause geblieben.

Ich bin dann noch schnell bei meinen Eltern vorbei, wo ein Paket für mich angekommen ist. Eine Therapiedecke. Ich hab mir vor ein paar Tagen eine Gewichtsdecke bestellt, in der Hoffnung, dass diese ein wenig besseren Schlaf bringt.

In Düsseldorf angekommen, kam das Drama einen Parkplatz zu finden. Direkt am Autokino konnte man nirgends parken und in der Umgebung waren auch alle Parkplätze gesperrt. Da meine beste Freundin und ich uns vor Ort treffen wollten und dann mit einem Auto auf’s Gelände fahren wollten/mussten, blieb nicht viel Wahl, als im Kreis zu fahren und irgendwo was zu finden. Tja.. Plötzlich stand ich in der Schlange zum Autokino und war unsicher, wie ich von dem Gelände wieder runterkomme. Nach vielen Nervenzusammenbrüchen und Telefonaten, habe ich meinen Weg vom Gelände gefunden und in Richtung meiner besten Freundin. Wenn ich bis dahin nicht schon bedient gewesen wäre, wäre ich es spätestens dann.

Bei ihr angekommen war mir eigentlich überhaupt nicht nach Reden. Eigentlich wollte ich nur noch irgendwo sitzen, vor mich hinstarren und nichts tun… Etwa 15 Minuten lang kam ich in den Genuss, als wir für einen Moment am Rhein saßen und nicht viel gesprochen haben. Ich weiß nicht mal wieso, aber in dem Moment ging mir selbst meine beste Freundin auf die Nerven, wenn sie geredet hat. Ich hoffe, Du verzeihst mir das, Schnucki. Ich behaupte mal: Das war die Grenze, an der ich mich eigentlich zuhause einigeln hätte wollen und mit niemandem für die nächsten Tage sprechen wollte. Das sie selbst dann auch noch gestresst war und mich mit ihrer gestressten Art, noch mehr gestresst hat, konnte sie ja nicht wissen. Ich will damit auch nicht sagen, dass meine beste Freundin nicht auch mal gestresst, genervt, nervös und dezent dem Wahnsinn nahe sein darf… aber in dem Moment war es für mich nicht förderlich, mich dann auch noch damit beschäftigen zu müssen. Selbst Ruhe auszustrahlen und die ganze Zeit zu sagen, dass alles gut ist und wird, hilft mir mit meinem Stress nicht wirklich, bzw macht ihn nur noch schlimmer.

Als wir dann in der Schlange zum Autokino standen, kamen die ganzen Freunde zu uns, die auch alle Tickets hatten. Insgesamt sprangen etwa 9 Leute um mich herum, inklusive der immer noch etwas gestressten besten Freundin neben mir. Alle wollten irgendwas und quatschten von links, rechts, vorne und hinten auf uns ein. Ich bin nach wie vor nicht sicher, wann genau eigentlich von einer Autistischen Störung gesprochen wird, aber glaubt mir, in dem Moment konnte ich jeden Autisten verstehen, der da schreiend weg gerannt wäre. Ich hab zwischendurch einfach versucht die Augen zuzumachen, damit man wenigstens mich in Ruhe lässt. Wenn das nicht half, hab ich versucht mir selbst zu sagen, dass ich es einfach mit Humor nehmen muss: Ein Haufen Bekloppter um mich herum, die schlimmer als jeder Hühnerhaufen sind – Es gibt zwar wenig schlimmeres für mich, aber trotzdem gibt es Dinge.

Irgendwann ging es dann auf’s Gelände und wie sollte es anders sein, hatten wir links und recht neben unserem Auto, Freunde meiner besten Freundin, also ging das Theater weiter. Ich hab mich nur noch beobachtet und gestresst gefühlt und ja, ich wollte irgendwann nur noch weinen und gehen. Ich wäre am liebsten einfach gegangen und nach Hause gefahren, weil mir alles zu viel war.. aber noch schlimmer als dieses Gefühl, war die Vorstellung vor 499 anderen Autos und deren Fahrern auszusteigen und mit großem Theater das Gelände zu verlassen. So saß ich nun also da, in dem Versuch die Situation auszuhalten und habe mal wieder so getan, als wäre nichts. Ja, ich habe viel mit den anderen gelacht.. aber oftmals war es reine Verzweiflung und die Hoffnung, dass mich dann niemand auf meine miese Laune anspricht.

Zum Glück fing dann um 22h das Konzert an und wie ich schon schrieb, war es soooo viel besser, als ich es erwartet hätte. Den ganzen Stress, den ich vorher hatte, hat es einfach genommen. Zwischendurch gab es zwei, drei Momente, die mich nochmal sehr gestresst haben, aber im großen und ganzen war es gut. Es mag böse klingen (und bitte versteh mich nicht falsch: Ich bin dir sehr dankbar, dass Du mich mitgenommen hast und zu sowas mitschleifst, damit ich raus komme…), aber am liebsten wäre es mir gewesen, alleine im Auto zu sitzen und das alles weit ab von den anderen zu genießen. Ja, die Leute um mich herum waren super sympathisch und ich weiß, wieso meine beste Freundin diese Menschen so mag…aber fremde Menschen und der Stress, waren einfach etwas zu viel an mancher Stelle.

Umso schöner war es nach dem Konzert noch mit dem Haufen entspannt zusammen zu stehen und nicht mehr so ein Geschrei und Gelabere um mich zu haben, sondern einfach tiefen entspannte Menschen, die sich auch echt bemüht haben, mich einzubeziehen und nicht außen vorzulassen, nur weil sie mich nicht wirklich kennen.

Als ich zuhause gegen 1.40h angekommen bin und endlich ins Bett kriechen konnte, war ich aber auch augenblicklich tot. Vielleicht war es deshalb auch so einfach, direkt unter der Gewichtsdecke einzuschlafen. 8kg sind zwar 8kg (die schüttelt man morgens übrigens nicht mal eben so auf), aber trotzdem bin ich super schnell darunter eingeschlafen und nachts nicht einmal aufgewacht.

Heute ist das alles so surreal. Ich schau auf den gestrigen Tag und sehe wieder einmal, wie schnell mich aktuell die Dinge stressen. Das alles, was vor ein paar Monaten echt vollkommen okay war, plötzlich wieder eine Riesen Qual darstellt und ich es nicht äußern kann. Ich habe gestern mit nicht einem Wort sagen können, dass es mir gerade zu viel ist. Ich habe geschwiegen und gute Mine gezeigt. Bloß nicht auffallen, bloß nicht zeigen, dass es mir scheiße geht, während um mich herum alle bestens gelaunt sind. Umso glücklicher bin ich in diesem Moment, auf meiner frisch gewaschenen Couch zu sitzen, schon leckere Gemüse-Fleisch-Curry-Nudel-Pfanne gekocht zu haben, drei Ladungen Wäsche erledigt zu haben und nichts mehr tun zu müssen. Okay, zwischen 19 und 22h muss ich dem Real-Lieferanten aufmachen und die Einkäufe hoch schleppen, aber darauf freue ich mich sehr. Der Kühlschrank gibt zwar noch genug zum kochen her, aber aktuell freu ich mich total über frische Lebensmittel und kochen zu können. 🙂

Wie mein Umfeld mit meiner Essstörung umgeht

Triggerwarnung: Essstörungen

Einer der beiden Nachrichtenverläufe ist mit einem Mensch, der mich mag, unterstützt und weiß, was so ein „gesundes“ Essen für mich bedeutet. 

Der andere Nachrichtenverlauf ist mit meiner Mutter.

Noch irgendjemand Fragen?
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Und ja, man kann sowas denken und ja, vermutlich hat sie in Teilen Recht. Es ist eigentlich ein Frühstück, so war es auch ursprünglich gedacht, aber ich hatte gerade Kohldampf und die Alternative wären Nudeln gewesen. Dann lieber Joghurt mit Kiwi, Erdbeeren, Heidelbeeren und Müsli. 

Der Sodbrenn-Teil gehört aber nicht zu dem Teil, wo sie Recht hat. Ich habe seit Jahren Sodbrennen, wenn ich den tagsüber so gut wie nichts gegessen habe. Vermutlich, weil ich trotzdem kohlensäurehaltige Getränke konsumiere.
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Wer mich länger kennt, kennt meine lustige körperliche Eigenschaft, wenn es um Hunger geht. Wenn ich Hunger habe, also einfach einen leeren Magen, dann muss ich niesen. So richtig feste, als hätte ich Staub in der Nase. Mehrfach. Ich weiß nicht, wie oft ich schon ausgelacht wurde, wenn ich das erzählt habe. Ich lache aber auch jedes Mal mit, weil es so absurd ist. Google sagt, es gäbe ein paar Menschen mit dem Phänomen, allerdings keine erwiesene Antwort auf die Frage, warum das so ist. Wir sind halt was besonderes. 😉
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Ich habe noch nie so richtig verstanden, wieso wir Menschen es uns anmaßen, das Essverhalten anderer zu kommentieren. Also ja, vermutlich sind mir auch schon mal Bemerkungen herausgerutscht a la „Als würdest du von sowas fett werden“, oder „Mal etwas ungesünder essen, ist ja kein Weltuntergang“. Am Ende ist es nichts anderes, als das, was ich so hasse: Andere Menschen auf ihr Essverhalten aufmerksam machen. Bei den einen nennt man es „fat shaming“, bei den anderen „skinny shaming“. Beides am Ende des Tages einfach unnötig und falls mich mal wer dabei erwischt, haut verbal ruhig zu. 😉
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Was ich bis heute nicht verstehe, ist wieso meine Familie das auch nach all den Jahren nicht begreifen will. Wie oft habe ich gesagt, dass ich eine Essstörung habe? Die Kjp vor 10 Jahren hat es thematisiert und trotzdem kam vor nicht mal zwei Jahren der Kommentar: „Ach, du hast doch keine Essstörung“.
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Das, wohl gemerkt, nachdem ich kund tat, dass ich nichts mehr hasse, als mit der Familie essen zu gehen. Das einkaufen ein Albtraum für mich ist. Das ich Fressanfälle habe.
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Ich hab es in meinem YouTube-Video erzählt, wie mein Werdegang mit psychischen Erkrankungen lief. Kurzfassung der Essstörung: Ich war als Teenager depressiv, hab tagsüber geschlafen und war nachts wach. Da ich tagsüber nicht gegessen habe, hatte ich nachts Hunger. Nach einigen Tagen hat meine Mutter abends die Küche verschlossen, ich musste anfangen essen zu horten und seitdem ist meine Essstörung Teil meines Lebens.
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Ich hab mich dran gewöhnt und mein Leben drum herum gebastelt.

Bei größeren Menschengruppen wird Essen meist abgelehnt und mit „ich habe keinen Hunger“ beantwortet, egal wie sehr der Magen knurrt. Einkaufen ging eine zeitlang mit Musik auf den Ohren, den immer gleichen Paar Produkten und nur in den vertrauten Geschäften, oder in Begleitung vertrauter Menschen.

Seit Corona muss ich mir eingestehen, dass einkaufen nicht mehr geht, dafür helfen Lieferdienste und der Real-Lieferdienst echt gut weiter. Ich habe sch*** Tage, an denen ich mir Packungen von Süßigkeiten rein ziehe und Tage, an denen ich gar nichts essen kann. Ich koche eigentlich echt gerne, aber der Stress der damit einhergeht, hält mich oft davon ab.
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Und… ich werde vielleicht niemals mehr zu einem „gesunden Essverhalten“ zurück kommen, doch das ist okay. Solange ich mir nichts verbiete und mich selbst nicht niedermache, weil ich schlechte Tage habe, ist das okay. Im Ursprung hat der Mensch gegessen, um zu überleben. Nicht um sich gut zu fühlen. 😉
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Ich wünsche mir oft, meine Familie würde das alles mitbekommen, was ich auf Instagram und YouTube von mir gebe. Den offenen und ehrlichen Umgang mit meinen Erkrankungen, meinen Tiefen, aber auch den Höhen. Ich wünschte, sie würden die Kommentare lesen, die ich bekomme. Von fremden Menschen, die mir sagen, wie cool sie das finden, dass ich meine Geschichte so offen erzähle. Ich wünschte, sie würden sehen, dass ihre Tochter jeden Tag kämpft, ein schönes Leben haben zu dürfen.
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Doch jedes Mal wieder fällt mir ein, wie oft ich es in der Vergangenheit schon angesprochen habe. Wie oft ich gesagt habe, was ich alles für Hürden im Leben meistern muss. Wie oft ich unter Tränen erzählt habe, wie schwierig das alles manchmal ist…
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… und wie oft ich Kommentare bekam wie:

„Du hast doch keine Essstörung“

„So schlimm, dass du in Therapie musst, ist das doch gar nicht“

„Du hattest halt mal eine schlechte Phase, aber das war doch nie wirklich Borderline“

Oder mein Favorit, auf meine Beichte hin, dass ich 11 Tage zur Krisenintervention in einer Klinik war:

„Na und? Was soll ich jetzt mit der Info anfangen?“
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Jedes Mal wieder, wenn ich es versucht habe, bin ich auf taube Ohren gestoßen, oder habe Ablehnung und Aberkennung meiner Erkrankungen bekommen.

Glaubt mir, meine Erkrankungen sind nichts, womit ich mich hinstelle und sage:
„Schaut alle her, ich bin ein armes Ding.“

Ich hab sie jahrelang den meisten Leuten verschwiegen, weil ich ein geordnetes Leben ohne große Tiefen hatte. Aber nun ist eben wieder ein großes Tief da und in meinem Fall ist es nicht ein schlechter Tag, oder mal ne schlechte Woche.

In meinem Fall bedeutet jedes Tief immer, dass ich ein erhöhtes Risiko für akut psychische Krisen habe. Das jedes Tief, mich an Ende des Tages töten kann, wenn ich mal wieder so richtig krass in ein Tief falle.
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Ich hab Freunde und Kollegen an meiner Seite, die versuchen dies zu verhindern. Die anerkennen, dass ich Schwächen habe und mir diese nicht ständig vorhalten. Wenn meine Familie das auch mal könnte.

Angst in der Nacht – Ptbs

Triggerwarnung: Angst- & Panikstörungen / Ptbs
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Eigentlich ist es Ironie vom feinsten, wenn ich sage, ich gehe jeden Abend mit Angst ins Bett, schlafe aber gut und durch. Aktuell plagen mich ausnahmsweise mal keine Albträume, oder tausendfaches wach werden. Ich sag das besser nicht zu laut, aber schlafen kann ich aktuell eigentlich ganz gut.
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Nur die Angst schlafen zu gehen, steigt. Ich wohne im 3.Og Altbau. Jeder, der mal hier hochgekommen ist, sagte, dass es von außen täuscht und viiiiel höher ist, als man glaubt. Einbrecher kommen hier unmöglich, unbemerkt hoch. Und trotzdem macht die Feuertreppe am Küchenfenster mich nach vier Jahren wahnsinnig.
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Ich schätze, es hängt u.a. mit meinen Stalking-Erfahrungen zusammen, weil hier urplötzlich jemand unerwünschtes, fast eine Stunde vor meinem Haus gewartet hat und nicht gehen wollte, bis ich sage „verschwinde“. Seitdem sind die Paranoia, dass jemand über diese Feuertreppe hier hochkommt, richtig präsent.
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Gerade ganz frisch hab ich mir für 4€ beim Baumarkt einen Einbruchsalarm geholt. Zwei Magneten, die Alarm auslösen, wenn sie weiter als 8mm auseinander gehen. Meiner scheint defekt geliefert worden zu sein, er löst auf jeden Fall immer aus, so dass ich ihn nicht anschalten kann. Ärgert mich richtig. Mittlerweile grübel ich, viel Geld in ein SmartHome-System zu stecken und es mit einem zuverlässigen System zu lösen… aber das Geld für meine Paranoia ausgeben?
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Ich schlafe seit Jahren eher schlecht als recht. Es gibt Phasen, da klappt es gut und es gibt Phasen, da kann ich die Dunkelheit gar nicht ertragen. Seit etwa einem 3/4 Jahr habe ich wieder die Phase: Mit offener Schlafzimmertür schlafen geht gar nicht und ohne Nachtlicht erst recht nicht. Ging die erste Zeit in der Wohnung ohne Probleme, dann 2018 nach einem traumatischen Erlebnis nicht mehr, dann doch wieder und aktuell gerade eben wieder nicht.
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Mitte 2018 stand ich mit einem Wohnwagen auf offenem Gelände. Nachts um 3.55h hämmerte und bollerte es gegen den Wagen, der schaukelte wie bekloppt hin und her und es war ein Gebrüll sondergleichen. Ich weiß seitdem, wie sich Todesangst anfühlt. 15 Minuten später war endlich das Blaulicht durch den Schlitz der Jalousien zu sehen, so dass ich mich aus meiner Schockstarre aus dem Wagen getraut habe. Nochmal schlafen konnte ich in der Nacht nicht mehr. Die Wochen danach war alles einigermaßen okay. Ich hab noch mehrfach mit anderen zusammen im Wohnwagen geschlafen, nicht durchgeschlafen, aber es war okay.
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Der Schock kam Monate später. Unangefochten die Nacht, in der ich dreimal in Folge, mit etwa je einer Stunde Abstand wach wurde, bis zu dem Punkt, an dem ich um 5h morgens duschen und das Bett neu beziehen musste, weil ich in einer Schweißlache wach geworden war. In jedem dieser drei Albträume steigerte sich das geträumte. Erst sah ich Gestalten in der Nähe, dann liefen sie mir nach und am Ende rannte ich um mein Leben, weil mich mehrere Menschen erschießen wollten. Wach wurde ich zum dritten Mal, als ich im Traum erschossen wurde. Glaubt mir, aus dem Albtraum wach zu werden und sich zu orientieren, ist ein realer Albtraum.
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Ich brauch das Licht zur Orientierung. Wenn ich durch Albträume wach werde, fällt es mir unheimlich schwer, die Orientierung zu finden. Zu wissen, dass ich zuhause bin, Safe bin und mir niemand was tut, kann schon mal Minuten brauchen. Ohne Licht sehe ich in der Dunkelheit dann nur bedrohliche Schatten und der Wechsel aus Traum, zur Realität wird unmöglich.
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Es ist so absurd, weil mein klar denkender Teil von Hirn sagt, ich hab sie nicht mehr alle… der kranke Teil sagt aber jeden Abend auf‘s neue: „Und heute Nacht steht plötzlich wer an deinem Bett und du merkst es nicht.“
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Ich bin froh über die Jahre eine kleine Linderung gefunden zu haben. Asmr-Videos. Es gibt ein paar Artists, die ich mir super abends anhören kann und bei denen ich binnen von zwei, drei Minuten weg ratze. Verstehen viele nicht, hat bei mir auch einige Sucherei gebraucht, bis ich coole Artists gefunden habe, aber seitdem fällt das einschlafen an sich leichter. Auch, wenn ich nachts durch Albträume wach werde, fällt das runterkommen leichter, wenn solch ein Video im Hintergrund läuft.
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Meine Hoffnung abends noch mehr zur Ruhe zu kommen, liegt nun in einer Gewichtsdecke. Ich hab einiges dazu gelesen und fand es eigentlich sau teuer, hab aber nun bei Senso-Rex eine eine Gravity-Gewichtsdecke mit 8kg bestellt. Senso-Rex wirbt mit 28 Tagen Rückgabe, bei nicht gefallen. Ich bin gespannt, ob sich 220€ am Ende doch lohnen.
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Die Nacht ist, so lange ich denken kann, mein Feind. Ich bin unfreiwillig zur Nachteule mutiert, weil die Dunkelheit nur schlechtes mit sich bringt. Aktuell schlaf ich zum Glück gut… Ich weiß aber, die nächste Phase des schlecht schlafen, lässt nicht lange auf sich warten.