Wie Corona mir erst meinen Job und dann die Jahrelange Ungewissheit, nahm

Hallo ihr lieben Leser. Heute gibt es mal eine kleine Ansprache an euch.

Erstmal danke an die, die hier regelmäßig stöbern und lesen. 🙂 Freut mich, wenn es Leute gibt, die das interessiert, was ich schreibe.

Zum anderen ist dieser Blog-Eintrag ein wenig explodiert in seiner Länge und dem Ausmaß an Gedankensprüngen. Eigentlich war mein Ursprungsgedanke, dass mein Jobverlust dieses Jahr, etwas positives mit sich brachte: Meine Endometriose-Diagnose.

Wieso ich das als positiv betrachte und wie es sich dahin entwickelt hat, wollte ich aufschreiben… und plötzlich mitten beim schreiben, driftete der Text in eine ganz andere Richtung.

Plötzlich war ich mitten in meiner Psyche gelandet und dem, wie dunkel es darin manchmal aussieht, aber wie positiv sie sich trotzdem über die Jahre gewandelt hat.

Ich hatte plötzlich einen Blog-Eintrag im Blog-Eintrag verfasst, wenn ihr versteht, was ich meine.

Das Ganze ist so eskaliert, dass es niemals jemanden geben würde, der das alles in einem Eintrag lesen könnte. Deswegen habe ich folgendes getan:

Ihr werdet irgendwann, in der Erzählung, wieso mein Jobverlust und die Endometriose-Diagnose, was gutes an sich haben, an den Punkt kommen, wo ich einen zweiten Beitrag verlinke. Wer will, kann dann später lesen, wie sich meine Psyche über die Jahre verändert hat und wieso ich es nicht mag, wenn Leute mir ihre Endometriose-Mantra aufzwängen wollen. 😉

Wer nur über die Endometriose lesen will, kann so, nur über die Endometriose lesen und wer nur über meine dunkle Seite lesen will, kann so über die dunkle Seite lesen. Ich glaube, dass ist das sinnvollste für alle.

Danke für die Aufmerksamkeit vorne weg. Und nun, viel Erfolg bei der Wall of Text. 😉

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Dreimal dürft ihr raten, wer natürlich abends gegen 20 Uhr, auf dem Sofa eingepennt ist… 9.30Uhr wach sein, bin ich halt nicht mehr gewöhnt. Ist heute morgen aber ohne Wecker passiert, nach etwa 4 1/2 Stunden Schlaf.

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Ich hab das Gefühl, so ganz langsam beweg ich mich wieder in humanere Zeiten, wann ich „morgens“ in etwa wach werde. Nicht mehr erst 13Uhr wach werden. Aber das 4/4.30Uhr schlafen gehen, krieg ich noch nicht wirklich aus meinem Körper. Das hat sich ganz schön manifestiert.

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Tja, dass ist wohl die chronische Erschöpfung, von der so viele Endo-Patienten erzählen, die ich jahrelang mit extrem viel Adrenalin und Coffein, während meiner Arbeitszeiten, gekonnt umsegelt habe.

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Es ist absurd, wie ich so langsam meinen Frieden finde, mit der Tatsache, dass ich dieses Jahr, als erstes, dank Corona, meinen Job verloren habe… (ja, ich bin seit 7 Jahren Freiberuflerin, aber jemanden zu erklären, wie genau jetzt Corona und mein Job kollidiert sind, dauert immer 10x länger, als zu sagen: Ich hab meinen Job verloren. Theoretisch könnte ich bei entsprechenden Aufträgen direkt wieder arbeiten gehen, aber vermutlich werde ich so, wie bisher, nicht mehr meinen Lebensunterhalt damit bestreiten können, weil meine Arbeit eher als Vergnügen angesehen wird, anstatt als ein nötiges pädagogisches Projekt, dass gerade aktuell, allen Beteiligten, ein Lächeln ins Gesicht zaubern würde. Dementsprechend ist meine Art von Arbeit etwas, dass ganz hinten angestellt wird in der Kette von Projekten, die pädagogische Einrichtungen, in Corona-Zeiten umsetzen.)

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… und dann, dank meines Jobverlustes, nach 15 Jahren, dieses Jahr nun endlich richtig diagnostiziert wurde.

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Hätte ich dieses Jahr nicht meinen Job verloren, wäre ich:

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a) Vermutlich immer noch nicht diagnostiziert worden. Ihr glaubt ja wohl nicht, dass die Schmerzen so Beachtung bekommen hätten, hätte ich regulär meinen Lebensunterhalt verdienen müssen. Als Freiberuflerin ist man nie „mal eben krank“ und erst recht, fällt man nicht aus. Ich stand die letzten Jahre immer mit Grippe, kaputten Gliedmaßen, chronischen Schmerzen, oder Weisheitszähnen, die Probleme machten, bei der Arbeit. Krank sein gab es einfach nicht. Egal, wie schlecht es mir ging.

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B) Mutmaßlich wäre ich zum „wirklichen“ Notfall geworden. Tatsächlich bin ich relativ sicher, dass die beiden Zysten mich irgendwann so umgehauen hätten, dass ich nicht nur einen unfreiwilligen Trip in die Notaufnahme gehabt hätte, sondern vermutlich Not-operiert worden wäre, weil die Zysten entweder geplatzt wären, oder sich irgendwie verdreht hätten. Niemals wäre das so „locker“ gelaufen, wie jetzt. Und das sagt die, bei der der Stein ja nur ins Rollen kam, weil sie einen Trip in die Notaufnahme, mit anschließendem Krankenhausaufenthalt, hatte.

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C) Wäre ich auch ohne die Zysten, vermutlich in eins bis zwei Jahren, zum Notfall geworden, weil dann vermutlich einen Darmverschluss als Konsequenz von über 15 Jahren, Rätsel raten, gehabt hätte.

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Ich finde so langsam meinen Frieden mit der Tatsache, dass 2020 alles auf einmal dem Bach hinunter gegangen ist. Job weg, Gesundheit am Arsch. Und trotzdem kann ich den letzten Teil, langsam, Stück für Stück, akzeptieren.

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15 Jahre habe ich unter den folgenden Symptomen und Begleiterscheinungen gelitten:

⁃ massive Unterleibschmerzen während der Periode

⁃ Übelkeit, Erbrechen

⁃ Migräne vom feinsten

⁃ Massiver Schmerzmittelkonsum

⁃ Schmerzen bei jeglicher sexueller Aktivität (ja, auch darüber müssen wir wohl oder übel reden. Das ein Orgasmus zwar echt schön sein kann, wenn es einem gut geht… aber auch die Hölle sein kann, wenn einem sowohl der Unterleib, als auch der Enddarm deswegen schmerzt. 🤷‍♀️)

⁃ Chronische Erschöpfung (so viel Schlaf, wie ich manchmal gebraucht hätte, hätte ich, an einem Tag, gar nicht bekommen können.)

⁃ Sozialer Rückzug/Unverständnis anderer, auf Grund der immer wieder kehrenden Schmerzen

⁃ Gelenk-, bzw Schmerzen in den Gliedmaßen im allgemeinen (Fun fact: Wir waren irgendwann an dem Punkt, wo bei einer 20 Jährigen, Rheuma vermutet wurde.)

⁃ Psychische Belastung

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Ich bin zusätzlich zur Endometriose, auch seit über 13 Jahren psychisch erkrankt. Beide Erkrankungen stehen für mich auch in keinem direkten Zusammenhang. Klar begünstigt unter normalen Umständen, die Endometriose eine Verschlimmerung der Psyche, aber trotzdem sind in meinem Fall, beides zwei verschiedene Paar Schuhe.

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In meinem Fall gibt es einen ganz klaren Auslöser, ein Trauma, von dem an, meine psychischen Probleme aufgetaucht sind. Ja, möglicherweise war ich damals schon durch die Endometriose, in der Psyche vorbelastet und habe das Trauma deswegen nicht so gut weg gesteckt, trotzdem haben sich handfeste psychische Diagnosen, aus dem erlebten, entwickelt.

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Ich finde, dass dies betont werden muss, denn wie gesagt: Psychische Begleiterscheinungen sind ein Gesicht der Endometriose. Es gibt viele Betroffene, die unter Stimmungsschwankungen, Depressionen, etc leiden.

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(Hier eskalierte das ganze dann in eine ungeahnte Richtung… wer über die dunkle Seite meiner Psyche lesen will, kann das hier tun: https://kleinekaeferin.blog/2020/10/19/wie-dunkel-meine-psyche-manchmal-ist-aber-wie-gut-ich-sie-mittlerweile-im-griff-habe/ )

Und nun zurück zur Endometriose…

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Diese psychische Komponente sorgte nach Jahren dazu, dass ich an mir und meinem Verstand gezweifelt habe. Nachdem mir diverse Ärzte, in all den Jahren, erzählt haben, ich sei kerngesund, habe ich angefangen darüber nachzudenken, ob ich mir meine Symptome einbilde. Ob sie vielleicht ein Produkt meiner kaputten Psyche sein.

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3 Frauenärztinnen, 2 Orthopäden, ein Rheumatologe, zwei Hausärzte, eine Notaufnahme/Klinik und zwei Psychiatrien. All diese Ärzte und Kliniken erklärten mir, dass ich körperlich vollkommen fit sei. Das einzige Manko sei, dass ich etwas Gewicht verlieren und Sport machen müsste.

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Wie soll man da nicht glauben, dass man so schwer psychisch krank ist, dass die Symptome alle von der Psyche stammen?

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Es hat dieses Jahr, meinen Jobverlust gebraucht, um die Zysten an meinen Eierstöcken zu spüren und zu erhören, damit mir endlich, nach 15 Jahren, die richtige Diagnose gestellt werden konnte.

Und selbst da, musste ich für die endgültige Diagnose ja noch kämpfen.

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Man erinnere sich: Als Notfall in die Klinik, weil ich vor Schmerzen nicht mehr stehen konnte. 6 Tage Krankenhaus ohne Diagnose. Zwei Wochen später die gleichen Schmerzen, diesmal in Kombination mit meiner Periode. Gefolgt von einem Kampf, bei meiner damaligen Gyn, einen Termin zu bekommen, obwohl ich sagte, ich kann vor Schmerzen nicht mehr stehen. Ich war kurz davor, zu irgendeiner Gynäkologin zu gehen, weil die mir eigentlich keinen zeitnahen Termin geben wollten.

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Erst, als ich die Tatsachen auf den Tisch knallte, in Form des Krankenhausbriefes und dem, dass ich Gewissheit will, was in meinem Unterleib gerade so ausrastet, kriegte ich den vaginalen Ultraschall, der offenbarte, dass ich zwei Zysten an den Eierstöcken hatte. Beide etwa 4cm groß.

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Dort wurde das erste Mal von einem studierten Mediziner gesagt, dass ich eventuell schwer krank sein könnte. Nach all den Jahren, wo ich überall vorstellig und überall abgewimmelt wurde (wo man meine Aussage: „Meine Schmerzen während der Periode werden immer schlimmer“, nicht ernst genommen hatte), habe ich endlich Gewissheit bekommen.

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Ich bin mir sicher: hätte Corona dieses Jahr nicht so gewütet und wäre ich weiter meinem Job nach gegangen, dann wäre ich immer noch nicht diagnostiziert, oder alternativ zum „extrem Notfall“ geworden und hätte es dann Knall auf Fall, nach einer Not-Op erfahren.

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Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber: Danke Corona, dass ich wegen dir, meinen Job aufgeben musste. Wahrscheinlich hast Du mir damit weitere Jahre, leiden ohne Diagnose, erspart. Danke, so absurd es ist, einer weltweiten Pandemie, Danke zu sagen.

Veröffentlicht von Kleinekaeferin

25. Freiberuflich im Zirkus unterwegs und über die Hälfte ihres Lebens psychisch erkrankt. Alle Gedankengänge, die für Instagram zu lang sind, kommen in Zukunft hier hin.

Ein Kommentar zu “Wie Corona mir erst meinen Job und dann die Jahrelange Ungewissheit, nahm

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