Wie Tv-Serien, meine Ptbs triggern können

Tw: Ptbs/Einbrüche/Stalking

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Da ist es wieder… das unaufgearbeite Trauma. Hin und wieder kommt es ganz unverhofft und schlägt einfach zu. Von hinten, mit viel Anlauf.

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Ich schaue seit vielen Jahren „In aller Freundschaft“, sowohl die jungen, als auch die „alten“ Ärzte. Meine Mutter hat mich als Kind/Teenager irgendwann mitschauen lassen, als ich abends mal nicht schlafen konnte. Seit einigen Jahren schaue ich es mehr oder weniger regelmäßig. Ja, mögen viele lustig finden, dass ich mir solche Serien rein ziehe, aber so what. Ich mag‘s.

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Bisher… letzte Folge kündigte sich in der „alten IaF“ schon an, dass der aktuelle Handlungsverlauf düster werden würde. Die Klinik-Chefin hat einen Stalker, von dem man letzte Folge das erste Mal erahnen konnte, dass er wirklich übergriffig wird.

Bis dahin war es für mich aber noch okay zu schauen und getriggert gefühlt habe ich mich nicht.

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Die aktuelle Folge sollte dies nun ändern. Leider kenne ich das Gefühl des Stalkings zu gut. Aber dazu gleich… angefangen hat mein Trauma vor zwei Jahren.

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Vor zwei Jahren habe ich das erste Mal mit einem Wohnwagen, alleine irgendwo übernachtet. Die Arbeit hat es hergegeben, dass ich mehrere Nächte eines unserer Zirkuszelte bewacht habe und deswegen mit dem Wohnwagen daneben stand. Die erste Nacht ging alles gut und die zweite Nacht hat ein Kollege dort übernachtet und ich konnte eine Nacht zuhause schlafen. Wir hatten uns die Woche quasi in Wechsel aufgeteilt.

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Die dritte Nacht kam und endete abrupt um 3.55h. Aus dem Tiefschlaf hochgeschreckt bin ich, als der Wohnwagen heftig von links nach rechts schaukelte. Gehämmert gegen die Tür, ein nicht aufhörendes Klinke runterdrücken. Dazu Schreie.

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Wie gelähmt lag ich unter der Decke. Minutenlang nicht in der Lage mich zu bewegen. Irgendwann löste sich die Starre und ich griff zum Handy neben mir. 112. Absurd, wie man in extremen Situationen vergisst, welche Nummer man wählen muss. Der Herr am anderen Ende hat aber schnell geschaltet und mich weitergeleitet an die Polizei.

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15 Minuten. Solange hat es gebraucht, bis die Polizei mit zwei Streifenwagen aus der nächsten Stadt endlich da war. 15 Minuten lag ich in Todesangst im Wohnwagen. Die Täter waren längst weg, schon in dem Moment, als ich den Notruf abgesetzt habe. Erst als ich das Blaulicht durch die Schlitze der Jalousien erahnen konnte, bin ich aus dem Bett aufgestanden, geduckt durch den Wohnwagen gelaufen, bis ich wirklich die Streifenwagen sehen konnte.

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In diesem Moment fiel alle Anspannung ab. Ich hab mir eine Jacke übergeworfen und bin aus dem Wohnwagen raus. Im Beisein der Polizei hab ich noch einen schnellen Blick in unser Zirkuszelt geworfen, aber es wurde schnell klar: die Täter wollten mich nur ärgern. Es fehlte nichts und beschädigt wurde auch nichts.

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Das Zelt stand auf dem Schulhof einer Hauptschule, auf dem Abends Drogen Verrückt worden. Das ich als Frau alleine in dem Wagen bin, war wohl kein Geheimnis, hatte ich mich tagsüber ja alleine auf dem Gelände bewegt.

Von da an, hatten der Kollege und ich immer zusammen im Wagen gepennt. Alleine wollten wir das beide nicht mehr machen.

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Monate später bekam ich die ersten Albträume. Ich wurde verfolgt. Mein Leben war in Gefahr. Nacht für Nacht. Irgendwann mehrfach die Nacht. Bis zu dem Tag, an dem ich dreimal den gleichen Albtraum hatte und jedes Mal etwas mehr gefährdet wurde. Schlussendlich wurde ich beim dritten Albtraum dann umgebracht. Kein Versuch, kein kurz davor, nein… ich wurde im Traum ermordet.

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Viele Wochen und Monate, aber vor allem viel darüber reden und schreiben, hat Linderung gebracht. Stück für Stück ließen die Albträume wieder nach. Bis zu diesem Jahr.

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Hier wird meine Stalking-Erfahrung relevant.

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Zweimal sind Menschen der Meinung gewesen, sie könnten sich herausnehmen, unangekündigt in meinem Leben aufzutauchen. Einmal auf der Arbeit, einmal vor meiner Haustür. Beide Male habe ich den Kontakt zu den guten Bekannten abgebrochen. Das zweite Mal hat lange Spuren hinterlassen.

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Anfang dieses Jahres erst war es, dass jemand ungewünscht vor meiner Haustür stand und erst nach einer guten 3/4 Stunde wieder gegangen ist, als ich ihn durchgängig ignoriert habe. Kein Klingeln, kein Anruf, keine WhatsApp habe ich beantwortet.

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Dem Ganzen ging voran, dass ich Monatelang mit WhatsApp-Nachrichten bombardiert wurde. Mal hier, mal da. Jede Nachricht habe ich ignoriert. Für Monate. Da es aber ein guter Bekannter war, hab ich es ausgesessen und ihn nicht blockiert.

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Danach kamen Wochen voller Albträume. Ich habe das eine Fenster in meiner Wohnung mit einem Einbruchschutz ausgerüstet. 3.Og Altbau. Eigentlich absurd, doch die Feuertreppe grenzt an mein Küchenfenster. Es hat mich um den Verstand gebracht, zu wissen, es gibt zwei Wege zu meiner Wohnung, wenn man wollen würde. Die Albträume wurden schlimmer, aber auch das bloße in der Wohnung bewegen, hat mich wahnsinnig gemacht. Jede Ecke war eine Gefahr.

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Meine Nachtlichter wurden wieder die treusten Weggefährten in der Nacht und seitdem Vorfall habe ich auch dauerhaft Nachts ein Licht im Schlafzimmer an. Wenn ich von einem Albtraum hochschrecken sollte, fällt die Orientierung damit leichter. Man ist der Dunkelheit dann nicht so schutzlos ausgeliefert.

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Mit den Monaten hat sich dies wieder gelegt. Ich habe jetzt ein paar Monate, vielleicht so drei, vier, wieder ganz gut schlafen können. Und auch das aufhalten in meiner Wohnung ist wieder gut ertragbar.

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Bis heute.

Es sind eben die Dinge des Alltags, die einen Triggern. Dazu brauche ich keinen Bericht über Einbrüche, Vergewaltigungen oder Ähnliches lesen. Ich brauche auch keine Dokus und Reportagen anschauen, um getriggert zu werden. Manchmal sind es Gerüche. Manchmal ist es das Aussehen eines Menschens. Manchmal ein Satz oder Wort, der Erinnerungen triggert… und manchmal sind es Tv-Serien.

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Seien wir ehrlich… wenn ich jetzt danach gehen würde, wo im TV, auf YouTube oder sonst wo, alles gefährliche Szenen auftauchen KÖNNTEN… ich dürfte gar nichts mehr konsumieren, denn rein theoretisch, könnte es eben überall Thema werden. Und seien wir auch ehrlich: Wer rechnet denn damit, in einer deutschen Krankenhaussserie mit sowas konfrontiert zu werden?

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Es gibt Unterschiede zwischen Serien und nicht alle triggern mich. Ich kann aktuell z.B. Abends noch gut eine neue Folge K11 schauen. Hat was mit Morden, Stalkern, etc zu tun und doch triggert es mich nicht. Böse Zungen würden behaupten, dass liegt am schlechten Schauspiel, der Protagonisten… 😉 Ich mag die Serie trotzdem.

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Bei IaF verhält es sich anders. Da tauche ich viel mehr ab im Geschehen. Ich bin live dabei, verfolge alles was passiert. K11 läuft meist, während ich Malbücher ausmale, Sudokus löse, oder bastel. Bei IaF funktioniert das selten. Da unterbreche ich oft meine Tätigkeiten, weil ich so drin bin im Geschehen. Ein Kompliment also für die Macher und Schauspieler. Es fühlt sich realer an, als K11.

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Klar weiß ich, dass es eine fiktive Serie ist, aber sie nimmt mich eben gerne mal mit. Heute wahrscheinlich zu sehr.

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Die Szenen heute wurden Stück für Stück immer krasser. Der Stalker wurde massiv aufdringlich, war sehr präsent und am Ende. Tja, am Ende stand er an einem Fenster zur Wohnung, im Schutze der Dunkelheit und hat sein Opfer beobachtet. Perfekt inszeniert wurde das ganze, dass muss man IaF lassen.

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Mir hat es leider einen eiskalten Schauer den Rücken runterlaufen lassen. Ich saß plötzlich wie versteinert mit Herzrasen auf dem Sofa. Tränen in den Augen. Vollkommen fassungslos.

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Mittlerweile, während ich den Text schreibe, geht es wieder besser, aber nicht gut. Ich sehe im Augenwinkel Dinge. Ich sehe die dunklen Ecken meiner Wohnung. Ich zapple die gesamte Zeit schon mit den Füßen. Eine Reaktion, wenn ich zu angespannt bin, damit der Körper irgendwie die Anspannung los werden kann. Würde ich nicht mit den Füßen wackeln, würde ich Krämpfe bekommen.

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Krämpfe, wie man sie von Epilepsie kennt. Alles verhärtet sich, man ist nicht mehr ansprechbar und ist irgendwie im Tunnel. Hinterher wird man wach. Alles fühlt sich nach fettem Muskelkater an. Man selbst ist total K.O. Ist mir zum Glück bisher nur seltenst passiert, aber immun bin ich dagegen nicht.

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Ich weiß nicht, was vernünftig ist. Die gesamte Zeit, während ich das hier schreibe, überlege ich schon, wie ich das in nächster Zeit nun machen soll.

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Ich mag die Serie. Ich will sie eigentlich nicht missen, weil ja auch noch andere Handlungsstränge erzählt werden, die man halt mitbekommen will. Aber wenn ich die nächsten Folgen immer wieder mit meinem Trauma konfrontiert werde… puh.. eigentlich kein Bedarf. Danke.

Ich weiß es nicht. Vielleicht nur tagsüber und nicht mehr abends schauen. Vielleicht erst meine Mutter schauen lassen und die dann fragen, wie krass die Szenen waren… aber die versteht ja nicht mal, dass ihre Tochter seit Jahren psychisch krank ist. Wie will die mir vernünftig erklären, wie schlimm die Szenen sind?!

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Ich weiß es nicht.. aber das ist genau das, womit ich irgendwie immer rechnen muss. Mit Dingen, die vergangene Erinnerungen, wieder hervorholen. Das nennt man dann wohl eine posttraumatische Belastungsstörung.

Veröffentlicht von Kleinekaeferin

25. Freiberuflich im Zirkus unterwegs und über die Hälfte ihres Lebens psychisch erkrankt. Alle Gedankengänge, die für Instagram zu lang sind, kommen in Zukunft hier hin.

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