Schon mal beim pinkeln, vor Schmerzen fast von der Toilette gefallen?

Da ist er wieder… dieser Schmerz im Bauchraum, der alles zusammen ziehen lässt. Der dafür sorgt, dass ich nun wieder in Embryonalstellung auf dem Sofa liege, nachdem ich mit Mühe und Not noch meinen Weg zur Toilette, zur Mikrowelle und zurück zum Sofa geschafft habe. Fünf Minuten auf den Füßen und einen Kreislaufabsacker später, liege ich also wieder.

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Der Schmerz hat sich die letzte Stunde über angekündigt. Auch wenn ich sonst nichts mehr an Wehwehchen meines Körpers deuten kann, weil mein Körper und sein Verhalten sich in den letzten 6 Monaten radikal geändert haben, so erkenne ich diesen Schmerz wieder. Genau dieser Schmerz war es, der mich am 05.06. nach Stundenlanger Qual dazu brachte, in der Notaufnahme vorstellig zu werden und dann sechs Tage stationär zu bleiben. Ohne Ergebnisse.

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Mittlerweile, fast drei Monate später, weiß ich woher die Schmerzen kommen. Endometriose ist das Stichwort. Die Zysten und die Anamnese waren so klar, dass die Ärztin im Endo-Zentrum sich seeeehr sicher ist. Die abklärende Bauchspiegelung wurde ja leider um vier Wochen verschoben. Mittlerweile bereue ich es zu tiefst, dem Familienurlaub eine Chance gegeben und nicht den Ersatz-Op-Termin wahrgenommen zu haben. Erstes ist kläglich gescheitert, zweites hätte für Klarheit und Schmerzerleichterung gesorgt.

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Nun warte ich seit fast zwei Wochen auf meine Tage, die nicht kommen wollen, obwohl sie die letzten Jahre auf den Tag genau kamen. Der Stress der letzten Wochen und Monate war dann jetzt wohl zu viel. Des Öfteren dachte ich in den vergangenen zwei Wochen, ich würde meine Tage bekommen, jedes Mal blieben sie aber aus und ich mit dem Zweifel zurück, ob ich meinen Körper überhaupt noch deuten kann.

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Ich trau mich mittlerweile kaum noch aus dem Haus, weil ich nicht weiß, wann die Schmerzen das nächste mal zuschlagen und wann ich meine Tage bekomme. Gestern musste ich auf einem Campingplatz arbeiten, ohne direkte Toiletten-Erreichbarkeit. Das hatte schon ein bisschen was von einem Thriller. Wird sie es überleben oder nicht? Hat sie. Aber der Nervenkitzel war den ganzen Tag da.

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Und auch diesmal muss ich mir Kommentare anhören wie: „Leg die Füße hoch, mach dir ein Kirschkernkissen warm und entspann dich einfach“

„Entspann dich einfach.“ Ich krieg bei dem Kommentar echt das kalte kotzen.

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Die Schmerzen sorgen dafür, dass ich mir denn Gang zur Toilette genau überlege. Den Gang, der mittlerweile fast auf die Minute genau, alle zwei Stunden ansteht, weil ich seit Wochen so einen Druck auf der Blase habe. Ich führe mittlerweile Tagebuch wie häufig ich die Toilette aufsuche, weil ich dachte, ich würde mir das einfach einbilden, dass es so oft geworden ist. Nein, tue ich nicht. Alle zwei Stunden, fast auf die Minute genau, sagt meine Blase nun hallo. Mittlerweile werde ich auch nachts wach, weil die Blase drückt, aber da schaff ich es auf durchschnittlich immerhin noch etwa fünf Stunden.

Letztes Jahr noch, reichte es mir, wenn ich morgens einmal gegangen bin, mittags irgendwann und abends vor dem Zubettgehen. Ich gehörte nie zu den Frauen, die Sorgen haben mussten, dass sie in der Nähe kein Klo finden. Mittlerweile krieg ich Panik, wenn ich weiß, es ist kein Klo verfügbar für die nächsten Stunden.

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Die erste Hälfte des Tages war normal. Ich hatte früh morgens das Gefühl, meine Tage könnten sich ankündigen, dann viele Stunden nicht mehr und plötzlich zum Abend hin, tauchte dieser Schmerz wieder auf. Nun kann ich nicht mehr gehen, nicht mehr aufrecht stehen und eigentlich nur mit angewinkelten Beinen liegen oder sitzen.

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Gerade eben bin ich zur Toilette, weil die Blase so drückte. Raus kam gefühlt wieder nichts… dafür sackte der Kreislauf zusammen und für einen Moment dachte ich, ich breche gleich auf dem Klo zusammen. Klasse Vorstellung beim pinkeln von der Toilette zu fallen. Fast so gut, wie die Angst, man wird Stück für Stück inkontinter.

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Als ich zurück aus dem Bad kam, wollt ich mir mein Kirschkernkissen warm machen, das entspannt zumindest ein wenig die Muskulatur und macht es etwas erträglicher… tja, ich hab es geschafft, die zwei Meter vom Sofa zur Mikrowelle zurückzulegen, das Kissen in die Mikrowelle zu legen und diese auf drei Minuten einzustellen. Die drei Minuten hing ich dann auf die Arbeitsplatte meiner Küchenzeile gelehnt, in der Hoffnung, nicht zusammen zu klappen, oder mich zu übergeben. Gleichzeitig mit dem Stoßgebet, dass die Schmerzen bitte so bleiben und nicht wieder vollkommen eskalieren.

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Ich hab es auf mein Sofa zurück geschafft. Nun sitze ich hier gekrümmt und schreibe diesen Post. Und währenddessen versuche ich den idealen Grad der Krümmung zu finden, an dem die Schmerzen erträglicher sind, ich mich aber nicht übergeben muss, weil mir der Magen so krass abgedrückt wird.

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Ich habe fürchterliche Angst davor, dass meine Tage jetzt doch noch vor der Op kommen. Mittlerweile wünsche ich mir, dass mein Zyklus so raus ist, dass die Op vor meiner Periode kommt und ich nach der Op dann direkt auf meine neuen Medikamente eingestellt werden kann.

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„Entspann dich mal…“ Das würde ich gerne mal zu den Leuten sagen, wenn sie in meiner Situation wären. Aber ich wünsche es niemandem auf dem Klo zu sitzen und Angst haben zu müssen, dass man beim Urinieren von der Schüssel kippt, weil der Körper und vor allem die Erkrankung, so komische Dinge mit einem machen.

Veröffentlicht von Kleinekaeferin

25. Freiberuflich im Zirkus unterwegs und über die Hälfte ihres Lebens psychisch erkrankt. Alle Gedankengänge, die für Instagram zu lang sind, kommen in Zukunft hier hin.

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