Ich habe die Hochzeit meines Bruder überlebt – Tag 1/2

Zwei Hochzeitstage meines Bruders in Folge sind vorbei. Zwei Tage überlebt.
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Wer den Blog-Eintrag im Vorfeld nicht gelesen hat, kann jetzt hier nachlesen, wie schlecht es mir im Vorfeld mit der Hochzeit ging:
https://kleinekaeferin.blog/2020/08/01/die-hochzeit-meines-bruders-und-wieso-ich-eine-woche-vorher-schon-panikattacken-bekomme/
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Das ganze Spektakel fing am Freitag um 8.00h an, als mein Wecker klingelte. Ich hatte ihn extra so früh gestellt, weil ich in Ruhe duschen, Haare föhnen, Frühstücken und wach werden wollte. Nach gefühlten dreißig Stunden Haare föhnen (ich weiß schon, warum ich die kurzen Haare vor ein paar Jahren so mochte…) und sie aus dem Gesicht stecken, sowie etwas Augen-Make-Up auftragen, konnt ich mich noch für einen Moment hinsetzen, einen Milchkaffee trinken und noch etwas „frühstücken“. Man müsste eher sagen „Mittag essen“, da es das Mittagessen vom Vortag war.. aber frühstücken war noch nie so meins.
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Um 11.10h bin ich dann los gestiefelt, rüber zum Standesamt, das etwa drei Minuten Fußweg entfernt ist. Ich war fürchterlich aufgeregt, weil ich keine Ahnung vom Ablauf hatte und wer alles kommen würde. Als ich um die Ecke bog, von der man den Rathausplatz einsehen kann, klappte mir kurz die Kinnlade hinunter und ich musste grinsen. Das erste Mal im Rahmen dieser Hochzeit musste ich lächeln. Auf dem Platz stand gefühlt die halbe Stadt, vor allem aber die gefühlte halbe Feuerwehr von Essen. Sechs Fahrzeuge, drei auf dem Platz, vier davor an der Straße.
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Angekommen auf dem Platz war es zwischen den hunderten Menschen gar nicht so einfach meine Familie zu finden. Die klärte mich aber nach meinem Eintreffen erstmal auf, dass an diesem Tag drei Feuerwehrmänner in Folge heirateten. Dementsprechend war nicht nur Essen, sondern auch Erkrath vertreten, was trotzdem ein unfassbares Bild abgab, wie diese Horden von Feuerwehrmännern auf dem Platz vertreten waren.
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Irgendwann als Erkrath verheiratet war, durften mein Bruder, seine Frau und die beiden Trauzeugen ins Standesamt. Kurz danach, als alles formelle geklärt war, durften die Familien mit rein. Insgesamt waren dann 11 Leute bei der Trauung dabei, wenn wir die Standesbeamtin, das Brautpaar und die Trauzeugen mit einrechnen. Es war also schön überschaubar klein, aber vor allem wirklich schön gemacht. Ein paar Tränen floßen natürlich auch. Auch bei mir, als es hieß, dass meine Schwägerin nun offiziell zu unserer Familie gehört und auch unseren Nachnamen angenommen hatte.
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Danach ging es raus aus dem Rathaus, vor dem sich die Feuerwehrkameradschaften meines Bruders schon in Position gebracht hatten. Die BF und FF standen zu einem geschlängelten Gang mit Schläuchen in der Hand, zwischen denen das Brautpaar durch musste. Am Ende wurden die beiden mit einem „Appell“ der Kameradschaften und persönlichen Worten der Wachleitungen beglückwünscht. Aber weil das für einen Feuerwehrmann nicht reichen würde, stand die Drehleiter schon bereit.
So durften die beiden in den Korb der Drehleiter einsteigen und wurden Richtung Himmel gefahren. An der Stelle meinen größten Respekt an meine Schwägerin: im 8. Monat schwanger und dann auf der Drehleiter… Ich hätte wahrscheinlich im Strahl runter gekotzt. Aber da sie das schon kannte, hat sie es gut ertragen und war recht entspannt. Oben im Himmel angekommen, wurde der Korb einmal im Kreis gedreht, so dass die beiden einmal über die gesamte Stadt schauen konnten… und die gesamte Stadt sie sehen konnte.
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Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viele Schaulustige wir hatten. Es war direkt gegenüber vom Rathausplatz auch noch Marktzeit und dementsprechend unendlich viele Menschen bekamen das Spektakel mit. Schön anzuschauen war es aber alle Male.
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Nachdem die beiden wieder gelandet sind, gab es noch ein Foto mit der Feuerwehr. Da meine Schwägerin schwanger ist und Abstand zu allen, außer der Familie wahren wollte, standen die Kameradschaften etwa drei Meter hinter dem Brautpaar und haben auch sonst den nötigen Abstand eingehalten, damit sie entspannt das Aufgebot genießen konnten.
Anschließend gab es noch einen kleinen Umtrunk und dann wurde sich auf den Weg gemacht. Wir sind alle zur Mutter der Braut nach Hause, weil die eine alte Schreinerei bewohnt und dort viel Platz zum feiern hat, so wie einen schönen Garten.
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Den Teil der folgte, fand ich dann noch wahnsinnig anstrengend, weil irgendwie alle nicht so richtig ins Gespräch kamen. Man merkte halt, dass zwei Familien aufeinander trafen und einfach nicht so viel miteinander zu tun hatten. Ich habe mich irgendwann mit meinem Vater draußen in ein Eckchen gesetzt und einfach dort ausgeharrt, wie lange ich es dort aushalten muss. Essen konnte ich nichts, obwohl es viele leckere Häppchen gab. Ich habe mich an meinem Wasser festgehalten und war froh, meinen Vater dabei zu haben… Ohne das, wäre ich definitiv auch früher gegangen. So haben wir gegen 18h meine Mutter überzeugt, dass wir gehen, die uns aber auch direkt einen Vorwurf machte, dass wir uns ja mal „unter‘s Volk hätten mischen können“. Tja, da sind mein Vater und ich uns wohl zu ähnlich, dass wir sowas einfach nicht mögen, oder er wusste, dass ich sonst verloren gehe, wenn er das tut.
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Damit endete der erste Tag. Mit Kopfschmerzen und einem Lächeln.
Denn wer mich kennt, oder meine Postings verfolgt, weiß, dass eben nicht alles so einfach und Friede, Freude, Eierkuchen ist, wie es sich nun erstmal liest. Auch, wenn der Tag echt schön war und ich am Ende froh war, hingegangen zu sein, war er super anstrengend für mich. Ich hatte ständig das Gefühl im Weg zu stehen, was falsches zu machen, zur falschen Zeit die falschen Dinge zu tun, … Wer nicht selbst an Angst- und Panikstörungen, oder Ptbs leidet, kann sich das schwer vorstellen, was für ein Stress alleine mittig auf dem Rathausplatz stehen, sein kann. Ich habe mich ständig umgedreht und umher geschaut, weil ich bei so vielen Menschen immer Angst habe, etwas zu verpassen oder im Weg zu stehen. In drehe mich dann eigentlich unentwegt herum um alles in meiner Umgebung mitzubekommen. Alleine das braucht super viel Energie, weil das eben ein ängstliches Verhalten ist und quasi eine Art Überlebensmodus ist, in den der Körper dann schaltet.
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Hinzukommen eben die ganzen sozialen Interaktionen mit den Brauteltern, Stiefeltern und sämtlichen Anverwandten oder Freunden. Jedes Wort zu überdenken, jede Bewegung zu planen. Einem Gespräch zu folgen, wenn um einen herum noch zehn weitere stattfinden. Dabei immer nett zu sein und niemandem das Gefühl zu geben, dass man nichts mit ihm zu tun haben will… das alles ist einfach super anstrengend und raubt jede Energie. Man möchte irgendwann im stehen einschlafen.
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Bei mir macht sich so etwas oft in Spannungskopfschmerzen bemerkbar. Ich verspanne nämlich leider sehr gerne meine Kiefermuskulatur, wenn ich in solchen Stresssituationen bin. Dazu gesellen sich gerne ein paar Wirbel, die ich dann hin und wieder selbst einrenken muss, weil sie sonst auch Schmerzen verursachen. Ich merke das, wenn dieser Kopfschmerz kommt, ob es Spannungskopfschmerz, oder Migräne ist und auch, wenn ich versuche, die Muskulatur etwas zu lockern, ist es meistens nicht mehr ganz weg zu bekommen.
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So habe ich den Freitag mit Kopfschmerzen und einem Lächeln beendet. Am frühen Abend auf meiner Couch mit Let‘s Plays und anderen YouTube-Videos zum abschalten. Irgendwann gegen 2h hat es mich dann auch im Bett ausgeknockt.
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Der zweite Hochzeitstag folgt in einem anderen Blog-Eintrag… Sonst müsstest ihr jetzt nochmal solch einen Block lesen und das wollen wir alle nicht. 😉

Veröffentlicht von Kleinekaeferin

25. Freiberuflich im Zirkus unterwegs und über die Hälfte ihres Lebens psychisch erkrankt. Alle Gedankengänge, die für Instagram zu lang sind, kommen in Zukunft hier hin.

Ein Kommentar zu “Ich habe die Hochzeit meines Bruder überlebt – Tag 1/2

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