Die Hochzeit meines Bruders und wieso ich eine Woche vorher schon Panikattacken bekomme

Nächste Woche heiratet mein Bruder und die heutige Frage war erneut: Was ziehe ich an?

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Ich bin immer noch etwas in das gelbe Kleid verliebt und fast alle Rückmeldungen neulich, waren auch positiv, was das Kleid betraf. Nur meine Mutter fand es nicht gut. O-Ton: „Sowas können nur braun gebrannte Leute tragen. An dir sieht das nicht aus.“

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Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber gerade mein Bein-Tattoo passt farblich eigentlich perfekt zu dem Kleid und lenkt von der etwas blassen Hautfarbe ab.. aber die hatte ich auch schon immer und werde ich auch immer haben. Und das ist okay. Ich hab nicht das Gefühl, dass ich bräuner werden müsste um irgendeinem Schönheitsideal zu entsprechen?!

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Meine Mutter war bei der Hose + Oberteil für das Standesamt (wir warten davor, weil aktuell nur die Trauzeugen mit dürfen und gehen danach zur Familie der Schwägerin in den Garten zum beisammen sitzen). Das gepunktet Kleid für die Trauung.

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Meine beste Freundin sagte: „Wenn du das gelbe Kleid nicht bei der Hochzeit deines Bruders anziehst, musst du es bei meiner tun“ und die Hochzeit dürfte (hoffentlich :P) noch ein paar Jahre weg sein… aber die feiert das Kleid halt.

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Ich bin unsicher… ich mag das gelbe Kleid und die Hosen+Blusen-Kombi. Das gepunktete auch, aber ich trag halt niiiiiiiiiiiie Kleider (hab fünf im Schrank und alle genau einmal angehabt) und dafür ist das gepunktete dann halt nochmal ne Nummer „festlicher“ als das gelbe. Also ist das Gefühl beim tragen gleich ein anderes… ein schwereres, weil man sich eleganter fühlt und somit das Gefühl hat, mehr im Mittelpunkt zu stehen, als mit dem gelben Sommerkleidchen.

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Wenn man mich fragt: Ich mach den Spaß nur mit, weil es nun mal mein Bruder ist und mein Neffe ja nur mich als Tante haben wird. Sonst würde ich mir den ganzen Quatsch sparen und zuhause bleiben, weil mir jetzt schon das Herz stehen bleibt, bei dem Gedanken, dass ich als Schwester des Bräutigams auf einer Hochzeit bin, bei der ich fast niemanden persönlich kenne, zumindest mit niemandem im Kontakt bin, aber alle mich kennen.

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Ich weiß, dass ich nächste Woche mit jedem Tag mehr auf eine grandiose Panikattacke zusteuern werde und dieses Hochzeitswochenende ein einziger Alptraum wird und ich durchgängig irgendwo zwischen Panikattacke und „Wegrenn-Bedürfnis“ hängen werde.

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Dank Corona darf ich auch niemanden mitnehmen… was ich eh für albern halte, weil halt trotzdem noch gute 40 andere Leute kommen werden. Da wäre der eine Überträger mehr nun auch kein Beinbruch… aber gut.. ich hab das nicht zu entscheiden, sondern das Brautpaar.

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Irgendjemand Tipps wie ich die zwei Tage überleben kann? Wie gesagt habe ich zu niemandem der Anwesenden Kontakt (die kennen mich alle, ich kenn viele vom sehen, bzw sind auch eins, zwei alte Schulkameraden dabei) und werde die absolute Außenseiterin sein, obwohl die allermeisten meine Altersklasse sind.

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Der 30. meiner Schwägerin war mit den selben Leuten und ich saß die gesamte Zeit bei meinen Eltern und habe mit den Eltern meiner Schwägerin gequatscht. Ohne meine Eltern wäre ich aber gestorben vor Peinlichkeiten und Unwohlsein.

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Und ganz davon abgesehen sterbe ich auch jetzt schon bei dem Gedanken an das Essen.

Wer mich kennt weiß, dass essen gehen mit Freunden mittlerweile sogar recht okay funktioniert. Mal besser, mal schlechter, aber ohne große Angst, bzw beruhigt sich das recht schnell. In Gegenwart meiner Familie klappte das noch nie, dass wir entspannt essen gehen konnten und in solchen Massen von Menschen, werde ich keinen Bissen runterbekommen.

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Es mag absurd klingen für die meisten, aber tatsächlich weiß ich jetzt schon, dass ich sowohl vor der Standesamtlichen Trauung, als auch der Freien, zuhause üppig essen werde, damit ich bei der Hochzeit keinen Hunger habe und das Ganze besser ertrage, wenn ich nichts essen werde.

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Ja, ich weiß jetzt schon, dass ich bei der Hochzeit nichts essen werde, außer mir stellt irgendwer einen Teller unter die Nase und zwingt mich. Ich ertrage den Gedanken jetzt schon nicht und spüre schon alle Blicke auf mir. Lieber sage ich tausend mal: „Ich habe keinen Hunger. Danke“, als einmal vor diesen Leuten zu essen.

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Es ist absurd… dieser ganze Stress mit der Hochzeit verdeutlich mir wieder, wie toxisch meine Familie für mich ist. Wäre es jemand aus meinem Freundeskreis, der heiratet, wäre die Angst wesentlich geringer, weil ich weiß, es gäbe wenigstens einen Menschen, der mich kennt und auf mich aufpasst… und mich vielleicht auch an der richtigen Stelle aus dem Trubel rauszieht und zum Essen zwingt, irgendwo, wo niemand daneben steht und „zuschaut“.

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Bei meiner Familie brauche ich das nicht erwarten. Ich weiß bis heute ja nicht mal, ob meine Schwägerin je erfahren hat, was ich für eine Vergangenheit habe. Ob mein Bruder ihr jemals gesagt hat, was seine Schwester eigentlich für beschissene Zeiten durch gemacht hat und dass seine Schwester psychisch immer noch einen Knacks weg hat.. es ist aber auch nicht meine Aufgabe, ihr das zu sagen. Wenn mein Bruder es nicht tut, dann hat er seine Gründe dafür. Vielleicht hat er es auch getan und ich weiß es nicht… denn in unserer Familie wird nicht darüber geredet, dass die Tochter seit über 13 Jahren psychisch krank ist und mit dem Leben kämpft… auch, wenn das Außenstehende nicht immer sehen.

Veröffentlicht von Kleinekaeferin

25. Freiberuflich im Zirkus unterwegs und über die Hälfte ihres Lebens psychisch erkrankt. Alle Gedankengänge, die für Instagram zu lang sind, kommen in Zukunft hier hin.

2 Kommentare zu „Die Hochzeit meines Bruders und wieso ich eine Woche vorher schon Panikattacken bekomme

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