Die Achterbahnfahrt namens „Ungewissheit“

Herzlich Willkommen, liebe Absurditäten des Lebens.

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Hiermit eröffne ich das vermutlich (vorläufig) letzte Mal Menstruationsschmerz in meinem Leben. In drei Wochen ist die Op und danach soll direkt mit der Hormonbehandlung angefangen werden.

Aussage der Oberärztin: „Sie nehmen dann die Pille durch, ohne Unterbrechungen, außer es besteht irgendwann ein Kinderwunsch. Dann muss man nochmal neu begutachten.“

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Das mit dem Kinderwunsch ist immer noch absurd auf vielen Ebenen, vor allem, weil es bis zur Op weiterhin unklar bleibt, wie genau nun eigentlich die Fehlbildung meiner Gebärmutter aussieht. Ggf erledigt sich das mit dem Kinderwunsch ja dann auch von ganz alleine. Vielleicht kann ich mir dann demnächst mit 26 Jahren überlegen, ob so eine Gebärmutterentfernung nicht sinnvoll klingt. Tsss… absurd ist das alles.

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Gerade eben habe ich mich ertappt, wie ich meine, doch irgendwie plötzliche, Periode, verflucht habe. Sie kündigte sich seit gestern an, täuschte heute Mittag dann mal kurz an und kam vorhin dann doch sehr überraschend. Und wie soll es anders sein? Natürlich direkt mit Schmerzen.

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Nun sitze ich im Bett, mit Körnerkissen und der Packung Tabletten neben mir. Die Tablettenpackung werde ich nun binnen der nächsten fünf Tage zur Hälfte oder Dreivierteln aufbrauchen. 20 Tabletten auf Naproxen-Basis sind in einer Packung. Man kann sich also vorstellen, was für Schmerzen ich eigentlich jeden Monat erlitten habe, in den letzten 12-13 Jahren.

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Und so stand ich vorhin in der Küche, während das Körnerkissen warm wurde und heulte mich bei meiner besten Freundin, via WhatsApp aus, wie scheiße ich das finde, ausgerechnet jetzt, eine Nacht vor meinem letzten Auftrag, meine Tage zu bekommen. Und wie sehr mich das nervt zu wissen, wie die letzten Male schmerzmäßig waren und dass ich ahne, dass das jetzt wieder so verläuft. Und ich dann gar nicht weiß, wie ich mich morgen auf der Arbeit überhaupt auf zwei Beinen halten soll. Geschweige denn, wie ich morgens mit den Schmerzen aus dem Bett kommen soll.

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Etwa zehn Minuten später finde ich mich heulend in meinem Bett wieder. Ich verfluche es, gerade diese Schmerzen zu haben und meine Tage zu bekommen. Zu einem Zeitpunkt, der wieder unpraktischer nicht sein könnte. Doch gleichzeitig will mir nicht aus dem Kopf gehen, dass dies vielleicht das letzte mal für lange Zeit oder gar für immer ist, je nachdem, wie die Op verläuft.

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Vermutlich wäre ich aktuell entspannter, würden wir „nur“ von der „normalen“ Endometriose sprechen, doch leider stellte man ja bei der Voruntersuchung noch eine Fehlbildung der Gebärmutter fest, von der 25 Jahre lang, keiner was gewusst haben will. Ne, so Fehlbildungen ploppen ja auch plötzlich über Nacht auf dem Boden heraus, klettern in Häuser rein und befallen nachts, schlafende, ahnungslose Wesen. Kennt man ja, diese Geschichten.

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So heißt es nun also nicht nur bangen, dass die Endometriose nicht so arg ausgebreitet ist, dass sie mir meine Fruchtbarkeit raubt oder erschwert, sondern zusätzlich noch bangen, dass die Fehlbildung nicht so gravierend ist.

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Die Chancen stehen jetzt wie? Auf jeden Fall hab ich jetzt schon so krass im „Scheiße-Jackpot“ abgeräumt, dass ich in meinem Leben besser nicht mehr Lotto spiele, oder Spielsüchtig werde. Kann ich nämlich mit meinem Pech nur verlieren.

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Es ist absurd auf so vielen Ebenen. Da kämpft man sich 13 Jahre lang aus dem Teufelskreis der psychischen Erkrankungen heraus und versucht von seiner „Emotional instabilen Persönlichkeitsstörung“ Abstand zu gewinnen… und als man das ein paar Jahre echt gut geschafft hatte, kommt eine physische Erkrankung hinzu, die alles über Wochen zur Ungewissheit macht und einen in eine emotionale Achterbahnfahrt schmeißt. Soll mir einer sagen, dass das nicht wirklich Absurd ist…

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Danke für nichts Leben. Ich wüsste zwar gerade nicht, warum ich noch gegen dich und deine fiesen Machenschaften ankämpfen sollte… aber irgendwie fühlt sich aufgeben verkehrt an. Hab ich in der Vergangenheit mehrfach versucht, hat mehrfach nicht geklappt, also bin ich ja wohl selbst zum aufgeben zu blöd.

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Und möglicherweise muss ich dieses Adjektiv auf die Liste meiner Eigenschaften setzen:

Aber ich kann ja schon ganz schön trotzig werden… Wer mir sagt: „Du kannst das nicht, Du darfst das nicht, Du sollst das nicht“ wird immer mit einer trotzigen Marie rechnen müssen.

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Also Leben:

Wenn Du meinst mich in die Knie zwingen zu können, weil Du mir keinen Anlass bietest, wofür es sich zu leben lohnt – Dann bekommst Du jetzt die trotzige Marie zu spüren, die darauf antwortet: „Ich mach nicht das, was Du willst. Ich geb nicht auf! Ich lass mich nicht unterkriegen!“

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Schwierig würde es nun nur werden, wenn das Leben so etwas wie umgekehrte Psychologie kennt und mich ausgetrickst hat. Das sollte ich besser nicht erfahren, sonst wird das ganz schön kompliziert mit diesem Leben… 😉

Veröffentlicht von Kleinekaeferin

25. Freiberuflich im Zirkus unterwegs und über die Hälfte ihres Lebens psychisch erkrankt. Alle Gedankengänge, die für Instagram zu lang sind, kommen in Zukunft hier hin.

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