Gedanken zum gestrigen Tag und dem Joris-Autokonzert

Gedanken zum gestrigen Tag und dem Joris-Autokonzert

Ich muss sagen, ich konnt mir nicht vorstellen, dass dieses Konzert wirklich richtig gut werden könnte. Alleine, isoliert in einem Auto sitzend, ein Konzert über‘s Radio zu hören, war nichts, was ich mir als wirklich richtig gutes Konzert vorstellen konnte. Tja, so täuscht man sich.

Das Feeling vor der Bühne war natürlich nicht das Gleiche wie bei „normalen“ Konzerten, aber trotzdem super. Man stand mit „seinen Leuten“ zusammen, Auto neben Auto und konnt seine eigene Party feiern. Der Sound hat auch nicht zu wünschen übrig gelassen, sondern war top. Die Stunden nach dem Konzert waren auch noch total schön, weil man mal wieder eine vertraute Truppe um sich hatte und sich echt willkommen gefühlt hat. 

Es war die Wiedergutmachung des Tages. 

Ich bin um 7.00Uhr wach geworden und war sogar ausgeschlafen. Aktuell steh ich nie vor 10 auf, im Gegenteil ich schlaf eher mit Absicht nochmal eine Runde, weil ich eh den ganzen Tag zuhause sitze und nichts tue. Wenn man dann noch früher aufsteht, wird das Nichts-tun ja auch nur unnötig Länger. 10.00Uhr Aufstehen und 1.00-2.00Uhr wieder schlafen gehen, ist eigentlich ein guter Rhythmus. Dazwischen passiert viel nichts.

Gestern kam es zustande, dass ich mir ein Sofa von Ebay-Kleinanzeigen abholen konnte. Ich hätte da schon am liebsten gekotzt. Mein Bruder war so nett zu helfen und ist mit mir und seinem Auto zu der Adresse gefahren. Wir waren etwas früher und die eigentliche Verkäuferin war nicht da, aber die Mutter, die von nichts wusste. Nachdem ich ihr die Anzeige und den Nachrichtenverlauf gezeigt habe, hat sie uns machen lassen. Das Sofa war noch komplett vollgestellt und nicht mal abgesaugt. Wir haben es dann in alle Einzelteile zerlegt, weil der Hauseingang so eng war, dass wir sonst nicht durch gekommen wären. Wir sind 5 Minuten nach der eigentlich verabredeten Zeit, wieder weg gefahren. Von der Kleinanzeigenanbieterin keine Spur. 

Vor einigen Monaten konnte ich noch ein paar Kilometer von links nach rechts laufen, auf‘s Zeltdach klettern, Lkws alleine ein und ausräumen, etc… Das Sofa gestern aus der ersten Etage Altbau runtertragen und in die dritte Etage Altbau wieder hoch, hat mich echt umgehauen. Als wir alles oben hatten, hat mein Bruder kurz geschnauft, mir ist mein Kreislauf weg gesackt. Von den Beinen, die so gezittert haben, dass ich nicht mehr gerade stehen konnte, abgesehen. Den Muskelkater, den ich heute in den Waden und Armen habe, brauche ich wahrscheinlich nicht näher beschreiben.

Als das Sofa aufgebaut in meiner Küche stand, mein Bruder und ich wieder Autos getauscht hatten und ich endlich wieder zuhause war, war ich platt. Ich hab noch eine Waschmaschine angestellt, weil ich die Sofabezüge direkt waschen wollte. Eigentlich wollte ich noch duschen, weil ich so verschwitzt war, aber dafür hatte die Zeit nicht gereicht. Auch die verschwitzen Haare konnte ich nicht mehr waschen. Vom Essen mal ganz abgesehen, dafür war erst Recht keine Zeit mehr. Ich lag 10 Minuten auf dem neuen Sofa, als ich mich wieder aufraffen musste, um pünktlich los zu kommen. Glaubt mir, am liebsten wäre ich nach dem Stress zuhause geblieben.

Ich bin dann noch schnell bei meinen Eltern vorbei, wo ein Paket für mich angekommen ist. Eine Therapiedecke. Ich hab mir vor ein paar Tagen eine Gewichtsdecke bestellt, in der Hoffnung, dass diese ein wenig besseren Schlaf bringt.

In Düsseldorf angekommen, kam das Drama einen Parkplatz zu finden. Direkt am Autokino konnte man nirgends parken und in der Umgebung waren auch alle Parkplätze gesperrt. Da meine beste Freundin und ich uns vor Ort treffen wollten und dann mit einem Auto auf’s Gelände fahren wollten/mussten, blieb nicht viel Wahl, als im Kreis zu fahren und irgendwo was zu finden. Tja.. Plötzlich stand ich in der Schlange zum Autokino und war unsicher, wie ich von dem Gelände wieder runterkomme. Nach vielen Nervenzusammenbrüchen und Telefonaten, habe ich meinen Weg vom Gelände gefunden und in Richtung meiner besten Freundin. Wenn ich bis dahin nicht schon bedient gewesen wäre, wäre ich es spätestens dann.

Bei ihr angekommen war mir eigentlich überhaupt nicht nach Reden. Eigentlich wollte ich nur noch irgendwo sitzen, vor mich hinstarren und nichts tun… Etwa 15 Minuten lang kam ich in den Genuss, als wir für einen Moment am Rhein saßen und nicht viel gesprochen haben. Ich weiß nicht mal wieso, aber in dem Moment ging mir selbst meine beste Freundin auf die Nerven, wenn sie geredet hat. Ich hoffe, Du verzeihst mir das, Schnucki. Ich behaupte mal: Das war die Grenze, an der ich mich eigentlich zuhause einigeln hätte wollen und mit niemandem für die nächsten Tage sprechen wollte. Das sie selbst dann auch noch gestresst war und mich mit ihrer gestressten Art, noch mehr gestresst hat, konnte sie ja nicht wissen. Ich will damit auch nicht sagen, dass meine beste Freundin nicht auch mal gestresst, genervt, nervös und dezent dem Wahnsinn nahe sein darf… aber in dem Moment war es für mich nicht förderlich, mich dann auch noch damit beschäftigen zu müssen. Selbst Ruhe auszustrahlen und die ganze Zeit zu sagen, dass alles gut ist und wird, hilft mir mit meinem Stress nicht wirklich, bzw macht ihn nur noch schlimmer.

Als wir dann in der Schlange zum Autokino standen, kamen die ganzen Freunde zu uns, die auch alle Tickets hatten. Insgesamt sprangen etwa 9 Leute um mich herum, inklusive der immer noch etwas gestressten besten Freundin neben mir. Alle wollten irgendwas und quatschten von links, rechts, vorne und hinten auf uns ein. Ich bin nach wie vor nicht sicher, wann genau eigentlich von einer Autistischen Störung gesprochen wird, aber glaubt mir, in dem Moment konnte ich jeden Autisten verstehen, der da schreiend weg gerannt wäre. Ich hab zwischendurch einfach versucht die Augen zuzumachen, damit man wenigstens mich in Ruhe lässt. Wenn das nicht half, hab ich versucht mir selbst zu sagen, dass ich es einfach mit Humor nehmen muss: Ein Haufen Bekloppter um mich herum, die schlimmer als jeder Hühnerhaufen sind – Es gibt zwar wenig schlimmeres für mich, aber trotzdem gibt es Dinge.

Irgendwann ging es dann auf’s Gelände und wie sollte es anders sein, hatten wir links und recht neben unserem Auto, Freunde meiner besten Freundin, also ging das Theater weiter. Ich hab mich nur noch beobachtet und gestresst gefühlt und ja, ich wollte irgendwann nur noch weinen und gehen. Ich wäre am liebsten einfach gegangen und nach Hause gefahren, weil mir alles zu viel war.. aber noch schlimmer als dieses Gefühl, war die Vorstellung vor 499 anderen Autos und deren Fahrern auszusteigen und mit großem Theater das Gelände zu verlassen. So saß ich nun also da, in dem Versuch die Situation auszuhalten und habe mal wieder so getan, als wäre nichts. Ja, ich habe viel mit den anderen gelacht.. aber oftmals war es reine Verzweiflung und die Hoffnung, dass mich dann niemand auf meine miese Laune anspricht.

Zum Glück fing dann um 22h das Konzert an und wie ich schon schrieb, war es soooo viel besser, als ich es erwartet hätte. Den ganzen Stress, den ich vorher hatte, hat es einfach genommen. Zwischendurch gab es zwei, drei Momente, die mich nochmal sehr gestresst haben, aber im großen und ganzen war es gut. Es mag böse klingen (und bitte versteh mich nicht falsch: Ich bin dir sehr dankbar, dass Du mich mitgenommen hast und zu sowas mitschleifst, damit ich raus komme…), aber am liebsten wäre es mir gewesen, alleine im Auto zu sitzen und das alles weit ab von den anderen zu genießen. Ja, die Leute um mich herum waren super sympathisch und ich weiß, wieso meine beste Freundin diese Menschen so mag…aber fremde Menschen und der Stress, waren einfach etwas zu viel an mancher Stelle.

Umso schöner war es nach dem Konzert noch mit dem Haufen entspannt zusammen zu stehen und nicht mehr so ein Geschrei und Gelabere um mich zu haben, sondern einfach tiefen entspannte Menschen, die sich auch echt bemüht haben, mich einzubeziehen und nicht außen vorzulassen, nur weil sie mich nicht wirklich kennen.

Als ich zuhause gegen 1.40h angekommen bin und endlich ins Bett kriechen konnte, war ich aber auch augenblicklich tot. Vielleicht war es deshalb auch so einfach, direkt unter der Gewichtsdecke einzuschlafen. 8kg sind zwar 8kg (die schüttelt man morgens übrigens nicht mal eben so auf), aber trotzdem bin ich super schnell darunter eingeschlafen und nachts nicht einmal aufgewacht.

Heute ist das alles so surreal. Ich schau auf den gestrigen Tag und sehe wieder einmal, wie schnell mich aktuell die Dinge stressen. Das alles, was vor ein paar Monaten echt vollkommen okay war, plötzlich wieder eine Riesen Qual darstellt und ich es nicht äußern kann. Ich habe gestern mit nicht einem Wort sagen können, dass es mir gerade zu viel ist. Ich habe geschwiegen und gute Mine gezeigt. Bloß nicht auffallen, bloß nicht zeigen, dass es mir scheiße geht, während um mich herum alle bestens gelaunt sind. Umso glücklicher bin ich in diesem Moment, auf meiner frisch gewaschenen Couch zu sitzen, schon leckere Gemüse-Fleisch-Curry-Nudel-Pfanne gekocht zu haben, drei Ladungen Wäsche erledigt zu haben und nichts mehr tun zu müssen. Okay, zwischen 19 und 22h muss ich dem Real-Lieferanten aufmachen und die Einkäufe hoch schleppen, aber darauf freue ich mich sehr. Der Kühlschrank gibt zwar noch genug zum kochen her, aber aktuell freu ich mich total über frische Lebensmittel und kochen zu können. 🙂

Veröffentlicht von Kleinekaeferin

25. Freiberuflich im Zirkus unterwegs und über die Hälfte ihres Lebens psychisch erkrankt. Alle Gedankengänge, die für Instagram zu lang sind, kommen in Zukunft hier hin.

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